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Martina Hohberg
Integrationsbeauftragte
Telefon (0 70 31) 6 69 24 71
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Raum: 656
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Integrationsarbeit in Böblingen

Integrationsbericht 2013

Seit mehr als 3 Jahren unterstützt und fördert die Stadtverwaltung das Ankommen und sich zu Hause fühlen von zugewanderten Mitbürgerinnen und Mitbürgern in Böblingen. Die Aufgabe die Entwicklungen zu beobachten, auszuwerten und geeignete Maßnahmen und Angebote vorzuschlagen hat die Stadt durch die Schaffung einer Integrationsbeauftragtenstelle gesichert. In jedem 3. Jahr berichtet die Integrationsbeauftragte dem Gemeinderat über die aktuelle Situation der Bevölkerung mit Migrationserfahrung in Böblingen. Zum Integrationsbericht 2013. (4,515 MiB)


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„Es gibt ein großes Potential“: Interview mit der Integrationsbeauftragten

Kaan Tasgin ist 17 Jahre alt, geht in die zehnte Klasse des Albert-Einstein-Gymnasiums und hat im März ein Praktikum bei der Abteilung Presse und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Böblingen absolviert. Eine seiner Aufgaben war es, ein Interview mit Martina Hohberg, der Integrationsbeauftragten der Stadt, über die Schullaufbahn und Bildungschancen für Menschen mit Migrationshintergrund zu führen.

Wie können junge Menschen mit Migrationshintergrund entsprechend ihrer Fähigkeiten frühzeitig und richtig gefördert werden?

Martina Hohberg: Die Wertschätzung der Person ist das Wesentliche. Jede Herkunft ist gleichbedeutend und das darf keinen Unterschied in der individuellen Förderung machen. Eltern und Lehrer müssen gemeinsam dafür sorgen, dass Schüler/-innen bei Schwierigkeiten mit ihrer Unterstützung rechnen können. Vor allem die Sprache ist der Zugang und Schlüssel in die Gesellschaft. Studien besagen, dass der größte Teil der Schüler mit Migrationshintergrund zur Hauptschule geht.

Welche Gründe gibt es dafür? Was kann man tun, damit es eine Veränderung gibt und die Situation sich positiv entwickelt?

Es gibt eine Reihe von Projekten und Angeboten in Böblingen, die Eltern dabei unterstützen, das Schulsystem kennen zu lernen und mit diesem Wissen ihre Kinder auf ihrer Schullaufbahn begleiten zu können. Dort, wo das nicht ausreicht, stehen Mentorinnen und Mentoren ehrenamtlich zur Verfügung. Sprachliche und kulturelle Unterschiede zwischen Herkunftsfamilie und Schule werden dann positiv genutzt. Es gibt z.B. die Schülerpaten der Fachstelle für Bürgerschaftliches Engagement, die einzelne Schüler/-innen über einen langen Zeitraum unterstützen. Es gibt Qualifikationen zu Elternmentoren des Netzwerks interkulturelle Arbeit (NIKA), die Eltern nicht nur über das Schulsystem informieren, sondern selbst stark machen für die Unterstützung ihrer Kinder. NIKA qualifiziert auch Jugendliche zu Kulturdolmetschern, die mit gestärktem Selbstbewusstsein zwischen Schülern vermitteln. Die ehrenamtlichen Bildungsbeauftragten, die vom Bildungsforum qualifiziert wurden und mit Kontakten in die Berufswelt den Übergang gestalten helfen, sind beim Landkreis erreichbar. Das Projekt “Story-Telling“ vom Verein für Jugendhilfe, dem Kreisjugendring und den Integrationsbeauftragten der Städte Sindelfingen und Böblingen bereitet erfolgreiche Migranten darauf vor, in Schulklassen von ihrer eigenen Biografie zu erzählen und so den Schülern Mut zu machen. Viele Jugendliche trauen sich nicht zu, etwas erreichen zu können. Um aus ihren Fähigkeiten das Beste zu machen, brauchen sie neben dem Selbstvertrauen in die eigene Wirksamkeit vor allem praktische Begleitung und glaubhafte Vorbilder.

Es wird behauptet, dass Migranten es in ihren Berufen schwerer haben bzw. überhaupt einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Ist das wirklich so?

Ich weiß von Berichten, die zeigen, dass es Vorbehalte gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund in Auswahlverfahren gibt. Die Integrationsministerin hat aus diesem Grund ein Pilotprojekt zu anonymisierten Bewerbungen in verschiedenen Städten gestartet. Die Ergebnisse des Projekts, die derzeit ausgewertet werden, werden sicher interessant und hilfreich sein. Menschen mit Migrationshintergrund verfügen über großes Potential, sich selbstverständlich in mehreren Kulturen zu bewegen und ich meine, wir können es uns nicht mehr leisten, darauf zu verzichten.

Was kann man als Integrationsbeauftragte tun, damit die Förderung von Menschen mit Migrationshintergrund leichter fällt?

Zunächst kann ich dafür sorgen, dass wir gemeinsam über die Willkommenskultur von Migranten in unserer Gesellschaft reden. Gleichzeitig versuche ich die fördernden Angebote zu vermitteln und die Vernetzung der Akteure zu verdichten. Projekte wie z.B. die Kulturvermittler und "Story-Teller" werden von mir aktiv unterstützt. Über Angebote verschiedener Beratungsstellen und Kurse kann ich informieren und biete selbst einzelne Infoveranstaltungen an. Zu all dem trägt auch der gewählte Integrationsrat Böblingen bei, mit dem ich intensiv zusammenarbeite. Die Mitglieder des Integrationsrats Böblingen kooperieren mit den Schulen und bieten hier ihre Unterstützung an – auch in sprachlicher Hinsicht.

Wo sollte man ansetzen, damit die Zahl der Schulabbrecher so gering wie möglich wird?

Das ist ein komplexes Anliegen, bei dem die unterschiedlichen Persönlichkeiten und Situationen der Schüler, die es betrifft, beachtet werden müssen. Dafür kann ich keine einfache Antwort oder ein Rezept anbieten. Ich glaube aber, dass die Kooperation zwischen Elternhaus, Lehrern und möglichen Unterstützungsangeboten intensiviert werden sollte, um frühzeitig Weichen zu stellen, die für die Schüler wirkungsvolle Förderung bedeuten können.


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