Böblingen hat alle Chancen, die eine Stadt für nachhaltige Entwicklung und langfristigen Wohlstand braucht. Mit der richtigen Strategie können wir eine großartige Zukunft gestalten.

Erster Bürgermeister Ulrich Schwarz

Flüchtlinge: Herausforderung ist gemeinsam zu meistern

Liebe Böblingerinnen und Böblinger,

es ist schon Jahrzehnte her, dass ein Thema die Medien und die Diskussionen in der Gesellschaft so intensiv beherrscht hat, wie der anhaltende Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland. Wir erleben eine einzigartige Hilfsbereitschaft in großen Teilen der Bevölkerung. Auf der anderen Seite mussten wir letzte Woche der Presse die erschreckende Zahl von mehr als 500 Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland in diesem Jahr zur Kenntnis nehmen. Vorsichtig geäußerte Befürchtungen über die künftige Situation aber auch offene Statements mit fremdenfeindlicher Färbung, prägen Diskussionen und beherrschen die sozialen Medien im Netz. Der Kommune kommt an dieser Stelle eine besondere Bedeutung zu, denn hier entscheidet sich, wie erfolgreich wir die anstehenden Herausforderungen meistern.

Vor wenigen Wochen wurde in Böblingen die Turnhalle der Mildred-Scheel-Schule zur Notunterkunft für Flüchtlinge umgenutzt, ebenso ist die Turnhalle der Wildermuth-Kaserne für die Vereinsnutzung entfallen. Haben viele Bürgerinnen und Bürger bis dahin die Zuwanderung von Flüchtlingen doch eher medial verfolgt und als theoretische Größe wahrgenommen, so wurde es doch schnell für viele Schüler, Lehrkräfte und Aktive im Sport sehr real. Verantwortliche der Vereine, der Behörden und der Schulen sind bestrebt, bestmögliche Ersatzlösungen zu finden – in der Hoffnung, dass schnell neue und vor allem geeignetere Unterkünfte realisierbar sind. Turnhallen gehen zur Not und sind bestimmt noch besser als Zelte, langfristig sind sie jedoch keine gute Option. Der Landkreis arbeitet unter Hochdruck mit der Stadtverwaltung an besseren und geeigneteren Lösungen.

Bemerkenswerter Einsatz

In den Kirchengemeinden, den Wohlfahrtsverbänden, den Vereinen und in verschiedenen Gruppierungen engagieren sich Ehrenamtliche und Hauptamtliche mit bemerkenswertem Einsatz, um aus dem Ankommen ein Willkommen zu machen. In den Schulen und Kitas sorgt die neue Situation für große Herausforderungen und manchmal auch Verunsicherung. Jedoch ist überall der unbedingte Wille zu spüren, die Situation bestmöglich für alle Beteiligten zu meistern. Das ist eine Qualität von Konfliktbewältigung, die uns aus meiner Sicht gut zu Gesicht steht. Ja, wir werden Konflikte haben in dieser neuen Situation, und ja, wir werden diese Konflikte bewältigen. Darauf kommt es letztendlich an.

Behördeneinsatz ist großartig

In den Landratsämtern, Job-Centern, Rathäusern, Polizeirevieren und vielen anderen Behörden arbeiten die Beschäftigten auf Hochtouren. Es gibt nur wenige Bereiche, die durch die neue Situation nicht besonders gefordert sind. Ausländerbehörden und Jugendämter, Soziale Dienste und Bauverwaltungen, alle sind aufgefordert, an einem Strang zu ziehen, um die Rahmenbedingungen stabil zu halten. Ich erlebe, dass wir es können, das macht mich stolz und zuversichtlich.

Jetzt tun, was existenziell wichtig ist

Das ist vielleicht auch die wichtigste Lehre aus den vergangenen Monaten: Das Beste aus der Situation hier vor Ort in Böblingen zu machen, bringt uns weiter als die Klage über etwas, was vielleicht schlecht sein könnte – vielleicht aber auch nicht. In diesem Sinne, lassen Sie uns lieber Kerzen anzünden, als über die Dunkelheit zu klagen.

Ihr
 
Ulrich Schwarz
Erster Bürgermeister  


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