Böblingen hat alle Chancen, die eine Stadt für nachhaltige Entwicklung und langfristigen Wohlstand braucht. Mit der richtigen Strategie können wir eine großartige Zukunft gestalten.

Erster Bürgermeister Ulrich Schwarz

Nichts verharmlosen, nichts dramatisieren

Liebe Böblingerinnen und Böblinger,

eine junge Frau ist tot, mutmaßlich ermordet von einem noch minderjährigen Flüchtling. Sofort bricht in sozialen Netzwerken, einschlägigen Internetseiten und Blogs eine hasserfüllte Debatte über Flüchtlingspolitik und Willkommenskultur aus. Ein Schicksal wird skrupellos instrumentalisiert. In Freiburg selbst wird erfreulich häufig differenziert, die Studentenstadt will so bleiben, wie sie ist: eine über Jahrzehnte gewachsene liberale und tolerante Stadt mit einer wachen Zivilgesellschaft.
Ich bin voll bei denen, die appellieren: „Nichts verharmlosen, nichts dramatisieren.“ So möchte ich Ihnen auch heute einen nüchternen Sachstandsbericht für Böblingen geben. 

Foto: Albig

Noch zu Beginn des Jahres betrieb der Landkreis Böblingen diverse Gemeinschaftsunterkünfte in unserer Stadt. Darunter zwei Sporthallen mit mehr als 300 Personen. Der Zuzug von Geflüchteten hat sich seither spürbar verringert. Für die Verantwortlichen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene bietet sich seitdem die Chance, die Dinge neu zu ordnen und zu stabilisieren. Die Landeserstaufnahmeeinrichtung in Herrenberg kommt nun doch nicht. Auch der Landkreis steuert bei seiner Standortstrategie nach, löst Notunterkünfte auf und reduziert seine Kapazitäten. Die Kommunen arbeiten weiter an Lösungen für die Anschlussunterbringung. Im Dezember übernehmen wir als Stadt eine weitere Unterkunft, um den Menschen, die zu uns gekommen sind, ein Dach über dem Kopf geben zu können. Ich bin froh, dass uns dies gelungen ist. Nun steht die Integration im Vordergrund.

Klassische Integrationsfelder und flankierende Maßnahmen

Viele Aktivitäten von Haupt- und Ehrenamtlichen konzentrieren sich auf klassische Integrationsthemen wie Sprachförderung, Bildung und Arbeitsvermittlung. Darüber hinaus ist ein dichtes Netz an Möglichkeiten und Maßnahmen geknüpft worden. Das „Muhajer Café Asyl“ ist zu einer festen Instanz der individuellen Hilfestellung gewachsen. Aus Hilfesuchenden werden teilweise schon Helfer, dem Freundeskreis Flüchtlingshilfe Böblingen ist hier ein großartiges Instrument zur Integrationsförderung gelungen. Der Sport erweist sich ebenso einmal mehr als wichtiger Teil gelingender Integrationsarbeit. Fußball, Boxsport oder auch Schwimmkurse für Flüchtlingskinder sind wertvolle Angebote, um den Neu-Böblingern Zugänge in unsere Gesellschaft zu ermöglichen. Auch sogenannte Arbeitsgelegenheiten als niederschwelliger Zugang zur Arbeitswelt ließen sich zwischenzeitlich ermöglichen.

Enge Abstimmung mit dem Landkreis

In den nächsten Wochen und Monaten werden neben den Personen, die uns seitens des Landkreises zugewiesen werden, auch Menschen im Rahmen des Familiennachzugs in Böblingen  erwartet. Dieser Personenkreis benötigt ebenfalls Unterstützung; manchmal kann diese auch schon von den Familienangehörigen erfolgen, die ihre Anerkennung als Flüchtlinge bei uns erhalten haben. Diese finden sich zum Teil schon sehr erfolgreich in ihrem neuen Leben bei uns zurecht. Ein positives Beispiel ist der neue Schülersprecher der Eichendorff-Schule. Er kam 2014 aus Syrien nach Böblingen, spricht inzwischen fließend Deutsch und vertritt die Schüler im Schulbeirat.

Keine Wunder erwarten

Natürlich dürfen wir an dieser Stelle keine Wunder erwarten, gelingende Integration ist von vielen Faktoren abhängig. Als Kommune bauen wir darauf, dass wir bald den „Pakt für Integration“ mit dem Land auf den Weg bringen und zusätzliche Unterstützung für unsere Aufgaben erhalten. So könnten wir auch in Böblingen noch den einen oder anderen Baustein für eine gute Integrationslandschaft ergänzen.

Statt mit Ängsten ungut Politik zu machen, nehmen wir die Sorgen und Ängste der Bevölkerung ernst - jetzt und in Zukunft!

Versprochen!

Es grüßt Sie herzlich
 
 
Ihr
 
 
 
Ulrich Schwarz
Erster Bürgermeister
 

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