Kommune, Kampf und Mehrwertsteuer – Neunzehnhundertachtundsechzig

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

was verbinden Sie mit der Zeit vor 50 Jahren? Obwohl ich selbst noch nicht geboren war, kommen mir einige, teils bis heute fortwirkende Aspekte in den Sinn: 68er, APO, Bürgerrechte, der Tod von Martin Luther King, Prager Frühling etc. Also ein sehr ereignisreiches Jahr im Zeichen von Aufbruch und Aufruhr. Dem widmet sich die neue Sonderausstellung unseres Deutschen Bauernkriegsmuseums in der Zehntscheuer (Pfarrgasse 2).

Die Eröffnung ist am kommenden Sonntag, 28. Oktober 2018, um 11.15 Uhr. Ich freue mich, Sie dabei gemeinsam mit Museumsleiterin Cornelia Wenzel und dem Museumsteam zu begrüßen.

Ausstellungen im Bauernkriegsmuseum

Sie fragen sich vielleicht: Warum ist ausgerechnet das Jahr 1968 für unser Museum so interessant, um ihm eine eigene Ausstellung zu widmen?

Neben der beeindruckenden Dauerausstellung werden dort regelmäßig viel beachtete Sonderausstellungen gezeigt, die sich zumeist mit Themen der Bauernkriegs- und Reformationszeit oder mit späteren Bewegungen beschäftigen. Dabei geht es – wie 1525 den Aufständischen in großen Teilen Deutschlands – um Bewegungen zugunsten von Freiheit, Gleichbehandlung, Gerechtigkeit und demokratischem Gedankengut. Werte also, die sich damals mit Waffengewalt nicht erkämpfen ließen, die aber auch nach Rückschlägen und Niederlagen kontinuierlich verfolgt und nach und nach umgesetzt werden konnten. Heute dürfen wir in Europa stolz auf demokratische Verfassungen und Menschenrechte sein. Wir sollten aber nicht außer Acht lassen, dass diese hohen Güter immer häufiger wieder in Gefahr sind oder gar missachtet bzw. bewusst mit Füßen getreten werden.

Aufruhr 1525

Am 12. Mai 1525 hat, aus strategischen Gründen, vor den Toren Böblingens die württembergische Entscheidungsschlacht zwischen den aufständischen Bauern und den Truppen des Schwäbischen Bundes, die für Adel und Obrigkeit kämpften, stattgefunden. Das „gemeine“ Volk fühlte sich ungerecht behandelt, ausgebeutet und in seinen Interessen nicht wahrgenommen. Beklagt wurde auch, dass willkürlich, d. h. nicht ausreichend, nicht ehrlich und nicht richtig informiert wurde. Dies ist gleichsam ein ‚zeitloses‘ Thema und wiederholt sich in der Menschheitsgeschichte vielerorts und stets aufs Neue.

Aufruhr 1968

Auch in den späten 1960er-Jahren taten sich solche Brüche in der Gesellschaft auf. Die Jahreszahl „1968“ steht symbolisch für eine Aufbruchsstimmung in der westlichen Welt. Vor allem die intellektuelle Jugend tat sich schwer mit Autoritäten, Machtmonopolen, ungleicher Güterverteilung, einseitigen Berichterstattungen, deren Wahrheitsgehalt hinterfragt und widerlegt wurde, und vielem mehr. Provokationen, Demonstrationen, Streiks, Straßenkämpfe und Attentate waren die Folgen.

Böblingen 1968

Ganz sicher war Böblingen 1968 keine Hochburg der Aktivisten. Das tägliche Leben wurde hier wenig gestört. Aber durch Zeitung, Funk und Fernsehen nahm man durchaus wahr, was in der Welt geschah, und war beeinflusst. Meist sanft verlaufend schwappte die Welle des Protests aus den großen Metropolen auch zu uns über und fand ihren Niederschlag im Alltag: Musik, Mode, Lifestyle, politisches Bewusstsein, die Rolle der Frau änderten sich radikal. „Kommune, Kampf und Mehrwertsteuer – Neunzehnhundertachtundsechzig“ ist eine aus der Böblinger Perspektive betrachtende Sonderausstellung zum Jahr 1968. Sie bedient so die Themen Revolution und Stadtgeschichte in einer Ausstellung. Mehr dazu und zum umfangreichen Begleitprogramm auf www.boeblingen.de.

Seien Sie dabei – ob im erinnernden oder neu entdeckenden Blick zurück!

Ihr

Dr. Stefan Belz
Oberbürgermeister

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Dr. Stefan Belz
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