Sommer im Museum Zehntscheuer den Böblinger Museen: „Wende in Wandlitz“ und „gesammelt.geschenkt.gewürdigt.“

Liebe Böblingerinnen und Böblinger,

am Montag sind wir eingestiegen in einen spannenden, offenen Prozess zur Zukunft unserer städtischen Museen. Wir haben viele engagierte Teilnehmende und intensive Diskussionen erlebt. Ich bin zuversichtlich für den Fortgang und danke allen Beteiligten herzlich. Umso mehr freut es mich, dass wir an den beiden kommenden Sonntagen im Museum Zehntscheuer zwei neue, sehr lohnende Sonderausstellungen willkommen heißen können. Beide laufen bis 17. November 2019.

Eastblock world, Stadt Böblingen

„Wende in Wandlitz“

Das Haus versteht sich seit seiner Gründung vor über 30 Jahren im Rahmen des Themas „deutsche Revolution von 1525“ auch als Haus der allgemeinen Freiheitsgeschichte. Zahlreiche Ausstellungen zur innerdeutschen Teilung bis hin zur Wiedervereinigung haben deshalb unter Beteiligung unserer Partnerstadt Sömmerda in der ehemaligen DDR sowie den Thüringer Bauernkriegsmuseen in Bad Frankenhausen und Mühlhausen stattgefunden.

Die Resonanz war stets groß und wir freuen uns, die Reihe zum 30. Jahrestag der deutsch-deutschen Grenzöffnung jetzt fortsetzen zu können. Diesmal rückt ein Aspekt in den Vordergrund, der damals in Westdeutschland nicht so viel Beachtung fand wie in der DDR.

Geheimnisumwitterte Waldsiedlung

Dort war viel spekuliert worden über das „private“ Leben der DDR-Funktionäre in der geheimnisumrankten Waldsiedlung Wandlitz. Obwohl bereits in den 1960er-Jahren bezogen, war sie noch in den 1980er-Jahren nicht in offiziellen Karten verzeichnet. Erst nach der „Wende“ Ende November 1989 war größere Gewissheit möglich. Funk und Fernsehen berichteten live aus der Waldsiedlung.

Auch die Gemeinde Wandlitz zeigte großes Interesse, das Leben in der nach ihr benannten Waldsiedlung öffentlich zu machen. Neben verschiedenen Publikationen gab es im neu erbauten Museum „Barnim Panorama“ 2016 die viel beachtete Sonderausstellung „Waldsiedlung Wandlitz – eine Landschaft der Macht“.

Teile davon reisen nun erstmals nach Westdeutschland und sind in Kooperation mit der Gemeinde Wandlitz in Böblingen zu sehen. Eine bewegende Ausstellung mit Blicken hinter bisher unbekannte Kulissen!

gesammelt.geschenkt.gewürdigt. Die „Sammlung Gerhard Bleicher“

Diese Sonderschau eröffnet eine Woche später am Sonntag, 28. Juli 2019, mit Leiterin Corinna Steimel in der Städtische Galerie um 11.00 Uhr im Galerie-Kabinett. 2017 übergab der 1929 in Stuttgart geborene Gerhard Bleicher nach mehrjähriger und reiflicher Überlegung sein Kunst-Konvolut, das inzwischen über ein halbes Jahrhundert gewachsen war, an die Kunstsammlung der Stadt Böblingen. So ließen sich deren bereits existierende Bestände von Plastiken und Gemälden um zahlreiche wichtige Grafiken bedeutsamer (südwest-)deutscher Künstler nicht nur ergänzen, sondern beträchtlich erweitern.

Würdigung von „A-Z“

Der Schwerpunkt liegt auf grafischen Darstellungen des sozialkritischen Realismus in der Zwischenkriegszeit: von A wie Max Ackermann bis Z wie Richard Ziegler. Zusammengetragen von einem der letzten Zeitzeugen, spiegelt diese erste umfassende Präsentation der Schenkung „Sammlung Bleicher“ weitverzweigte Querverbindungen und zeitgenössische Thematiken zwischen Glanz, Elend und Dekadenz. So fängt sie die 1920er-Jahre als bewegendes und bildgewaltiges Panorama ein.

Viel zu sehen im Museum Zehntscheuer – ich freue mich auf Ihren Besuch!

Ihr
Dr. Stefan Belz

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