Wohnen in Böblingen: Grundbedürfnis und neue soziale Frage

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

es bestehen kaum Zweifel angesichts der Medienberichte oder der Anfragen bei Stadt bzw. Wohnbaugesellschaften: Wohnungsnot ist die neue soziale Frage! Sie trifft vor allem diejenigen schwer, die aktuell eine Wohnung suchen: ob durch Zuzug, neuen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz oder veränderte Lebenssituation. Das Angebot ist sehr überschaubar, die Kosten können viele inzwischen nicht mehr stemmen. Verwaltung und Gemeinderat wissen darum und sind aktiv.

Seit 2017 gibt es eine eigens dafür gebildete „Arbeitsgruppe (AG) Wohnraum“.

AG Wohnraum

Sie setzt sich intensiv mit den Themen Wohnraumversorgung, Wohnungsangebot, Wohnbaupotentiale und Handlungsmöglichkeiten der Stadt auseinander. Positionen und Handlungsempfehlungen dazu hat der Gemeinderat im Mai 2019 beschlossen.

Mehr Einwohner und Innenentwicklung

Dem statistischen Landesamt zufolge wird Böblingen bis 2035 nach der aktuellsten Berechnung auf 52.212 Personen wachsen. Unstrittig ist daher, dass wir mehr Wohnraum benötigen.
Da ein Wachstum der Stadt nach außen immer Natur und Umwelt zusätzlich belastet, ergänzende Infrastruktur erfordert und die Stadt auch finanziell dauerhaft bindet, hat Böblingen seit 2006 im Stadtleitbild „BB2020“ den Grundsatz verankert: Vorrang der Innen- vor Außenentwicklung. Aber: Welche weiteren Potentiale gibt es?

Baulücken

Das sind Grundstücke, die sofort bebaubar wären, wenn die Eigentümer dies wollten: 9 Hektar in der Kernstadt, 6 Hektar in Dagersheim. Unter der Annahme von 80 Einwohnern pro Hektar (= 10.000 Quadratmeter) ergäbe das theoretisch Wohnraum für 1.200 Personen. Da sich diese Grundstücke fast ausschließlich in Privateigentum befinden, geht die Stadt über öffentliche oder direkte Ansprache auf die Eigentümer zu, um hier voranzukommen. Auch ein gesetzliches Baugebot wird andernorts bereits diskutiert.

Neuordnungsbereiche

In Bereichen, die bisher anders oder zu wenig genutzt waren, sind bereits viele neue Wohnungen entstanden: z.B. am Stadtgarten oder im City-Quartier. Andere Projekte sind in Planung oder Vorbereitung, etwa das See-Carrée oder das ehemalige City-Center. Auch diese Grundstücke sind in Privateigentum. Die Stadt begleitet die Projekte und kann über das Schaffen von Baurecht gewisse Anforderungen an Planung und Bau stellen.

Richtlinie und alternative Akteure

Um für mehr preisgünstigen und geförderten Wohnraum zu sorgen, hat der Gemeinderat schon im Juni 2018 eine Richtlinie beschlossen. Sie legt immer bei neu zu schaffendem Baurecht über städtebauliche Verträge einen bestimmten Anteil an gefördertem und günstigem Wohnen fest. Außerdem wird die Stadt künftig alternative Akteure auf dem Wohnungsmarkt und alternative Organisationsformen unterstützen, die sich nicht primär an Gewinnmaximierung orientieren.

Aktive Grundstückspolitik

Ebenso plant die Stadt eine eigene aktive Grundstückspolitik gemäß den Zielen der Stadtentwicklung. Dazu gehören z.B. sozial gemischte Quartiere, Stadt der kurzen Wege etc. Und wir müssen Wohnungsleerstand oder zweckentfremdeten Wohnraum im Blick haben und Maßnahmen dagegen durchdenken.
Innenentwicklung hat nach wie vor Vorrang, aber in einem doppelten Sinn: nicht nur baulich, sondern auch zum Erhalt und zur Entwicklung von Grünflächen. Sollte doch Außenentwicklung notwendig werden, ist diese nur im Einzugsbereich der Schiene (S-Bahn, Schönbuchbahn) zu prüfen.
Alle Projekte verlangen eine gute Beteiligung von Öffentlichkeit und Bürgerschaft. Dabei ist es unabdingbar, zwischen dem einzelnen und dem allgemeinen öffentlichen Interesse zu unterscheiden.
Ja, die Lage ist durchaus ernst, aber sicher nicht ausweglos – finden wir gemeinsam konstruktive Lösungen und setzen sie um!

Ihre
Christine Kraayvanger
Bürgermeisterin

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