Klimaschutzkonzept Stadt Böblingen

Mit dem Ziel Handlungsoptionen für eine nachhaltige Verringerung der CO2-Emissionen zu erhalten, beschloss der Gemeinderat im Dezember 2010 ein integriertes Klimaschutzkonzept für die Stadt Böblingen erstellen zu lassen. Im Juli 2012 wurde das vom ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH erstellte Konzept im Umweltbeirat und im Ausschuss für Technik, Umwelt und Straßenverkehr intensiv beraten und anschließend vom Gemeinderat beschlossen.

Die Bestandteile des Konzepts entsprechen den Förderrichtlinien des BMU und werden im Folgenden zusammenfassend dargestellt:

Ausgangslage und Zielsetzung der Klimaschutzkonzeption

Die langfristigen bundespolitischen Ziele sind definiert: Bis zum Jahr 2050 soll eine Minderung der CO2 Emissionen um 80% bis 95% (ausgehend von 1990) erfolgen. Die Stadt Böblingen will ihren Anteil dazu beitragen und merkbare CO2-Einsparungen im Energieverbrauch realisieren. Hierzu benötigte die Stadt eine Konzeption, die aufzeigt, welche Potenziale und Schwerpunkte des Handelns in Zukunft aufgegriffen werden sollen, um sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll zu verändern und zu gestalten.

Im Dezember 2010 beschloss der Gemeinderat die Erstellung eines Integrierten kommunalen Klimaschutzkonzeptes für Böblingen. Für die Koordination, Moderation und Dokumentation wurde das ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH beauftragt.

Zitat aus der Antragstellung
„Die Stadt Böblingen beabsichtigt ein integriertes kommunales Klimaschutzkonzept Böblingen 2020 erstellen zu lassen. Damit sollen Potenziale zur Senkung der Emissionen bei den städtischen Liegenschaften und im privaten und gewerblichen Bereich ausgelotet und ausgeschöpft werden. Mit Hilfe dieses Konzeptes soll zudem ein Masterplan Energieversorgung für Böblingen entwickelt werden, um auch die gesamte Energieversorgung im Stadtgebiet unter Klimaschutzaspekten zukunftsfähig aufzustellen. Es sollen sowohl klimapolitische Zielsetzungen als auch wirtschaftliche Aspekte beleuchtet werden."

Das integrierte Klimaschutzkonzept der Stadt Böblingen bildet die Grundlage der weiteren Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen der Stadt.

Die Erstellung der Konzeption wurde mit 80 % aus Mitteln des Bundeshaushaltes durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert. Die Projektdauer war deshalb bestimmt durch den Bewilligungszeitraum vom 01.12.2010 bis 31.01.2012. Innerhalb dieses zeitlichen Rahmens erfolgten die festgelegten Bearbeitungsschritte, aufgeteilt in mehrere Phasen.

Aufgrund des partizipativen Ansatzes der Konzeption wurden begleitend mehrere Workshops durchgeführt, bei denen bewusst Böblinger Akteure aufgefordert waren, ihre Vorstellungen für die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen aufzuzeigen. Dieser Aufforderung kamen viele aktive Akteure aus der Stadt Böblingen und den angrenzenden Kommunen nach. Diesen gebührt Dank für die eingebrachte Zeit und zeigt, dass in Böblingen eine breite Basis für das Thema Klimaschutz existiert.

Der Endbericht wurde vom Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) fristgerecht zum 31.01.2012 vorgelegt. Nach einer weiteren Abstimmungsrunde liegt er in einer überarbeiteten Version mit Stand März 2012 vor. Im Juli 2012 wurde das Klimaschutzkonzept im Umweltbeirat und im Ausschuss für Technik, Umwelt und Straßenverkehr intensiv beraten und vom Gemeinderat beschlossen.

Bestandteile des Endberichts der Klimaschutzkonzeption gemäß den Förderrichtlinien des BMU

  • Energie- und CO2-Bilanz der Stadt Böblingen 2008
  • Energieeffizienzpotentiale im Bestand
  • Energie- und CO2-Szenarien für 2025, TREND- und KLIMA -Szenario
  • Darstellung von 20 Fokusgebieten (Vorranggebiete), mit Angaben zu energetischen Effizienzpotentialen
  • Klimaschutz in Neubaugebieten, Leitlinien und Kriterien
  • Städtische Einrichtungen, Ist-Zustand, Potenziale, Sanierungsziele
  • Maßnahmenkatalog mit Handlungsbeschreibungen und Informationen für die beteiligten Akteure einschließlich Darstellung der zu erwartenden Investitionskosten für die einzelnen Maßnahmen
  • Regionale Wertschöpfung durch die vorgeschlagenen Maßnahmen
  • Kommunikationskonzept, Strategie und Ziele
  • Institutionalisierung und Controlling, Organisationsstruktur

Projektdaten

Fördermittelgeber:

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)

www.bmu.de/klimaschutzinitiative
 
Förderkennzeichen: 03KS1209
Projektdauer: 01.12.2010 bis 31.01.2012
Projektträger im Auftrag des BMU:

Forschungszentrum Jülich GmbH
Projektträger Jülich (PtJ)
Außenstelle Berlin

http://www.fz-juelich.de/portal/DE/Home/home_node.html
Die Klimaschutzkonzeption wurde erstellt und durchgeführt von:

Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH
Projektleiter: Hans Hertle
Wilhelmstraße 3
69120 Heidelberg
Tel.: 0622/14767-0

www.ifeu.de


Energie und CO2 Bilanz der Stadt Böblingen 2008

Die Energiebilanz für die Stadt Böblingen wurde durch eine umfangreiche Datenerhebung ermittelt.
Wesentliche Datenquellen sind z.B. jährliche Angaben der Stadtwerke zu den leitungsgebundenen Energien, statistische Daten, Gebäudetypologien, Schornsteinfegerdaten und Einzeldaten von Großbetrieben. Eine Bewertung der Gesamtentwicklung und der durchgeführten Maßnahmen seit 1990 erfolgte auf Basis eines Abgleichs mit den Daten des früheren Energieversorgungskonzeptes Böblingen aus dem Jahr 1992. Die ermittelten Werte des energetischen Zustandes der gesamten Stadt Böblingen sind von zentraler Bedeutung, da sie die Grundlage für jedwede Bilanzierung von Klimaschutzmaßnahmen bezüglich des angegebenen Ist-Zustandes 1992 oder 2008 bilden. Bei der Bilanzierung wurde der Sektor Verkehr ausgenommen.

Der Endenergieverbrauch über die Sektoren Private Hauhalte, Gewerbe/Sonstiges und verarbeitendes Gewerbe betrug 2008 1.064.000 MWh. Auf die privaten Haushalte entfielen hiervon 35%, auf den Sektor Gewerbe 51% und auf die Industrie 14%.

Besonders hervorzuheben ist hierbei die Aussage, dass im privaten Sektor 78% des Gesamtverbrauchs nur für die Bereitstellung von Raumwärme aufgewendet wurden.

Die Kohlendioxid-Emissionen betrugen für das Bilanzjahr 2008 im Gesamten 435.000 Tonnen. Es entfielen auf die privaten Haushalte 30%, auf das Gewerbe 55% und die Industrie 16%.

Hervorzuheben ist hier der deutliche Anteil der Emissionen im Sektor Gewerbe für den Verbrauch an Strom.

Energieeffizienzpotentiale im Bestand:

Wirtschaftliche Einsparpotentiale am genannten Gesamtenergieverbrauch für 2008 liegen bei 20% im Bereich der Industrie, 31% im Bereich Gewerbe und 42% für die privaten Haushalte. Jährlich könnte der Endenergieverbrauch der Stadt Böblingen über alle Sektoren im Strombereich um 2,3% und im Wärmebereich um 1,7% verringert werden.


Energie- und CO2-Szenarien für 2025

Häufig wird das Jahr 1990 als Referenzjahr für Klimaschutzziele genommen. Dies lies sich in Böblingen auf Grund der ungenügenden Datenlage nicht verwirklichen. Somit erstellten die Gutachter vom ifeu als Rückblick über Emissionsminderungen in der Vergangenheit eine Bilanzierung für den Zeitraum 1992 bis 2008. Im genannten Zeitraum ergibt sich eine deutliche Verringerung um 22%.

Die Gutachter vom ifeu zeigen innerhalb von zwei Szenarien (TREND-Szenario und KLIMA-Szenario) die Entwicklungsdimensionen für mögliche CO2 Reduktionen bis zum Jahr 2025 auf.

  • Trend-Szenario:
    Abbildung der Emissionsreduktionen unter Beibehaltung bzw. Fortführung der bereits bis 2008 eingeschlagenen Entwicklung. Im TREND Szenario werden aktuelle und absehbare Rahmenbedingungen und Entwicklungen berücksichtigt.
  • KLIMA - Szenario:
    Abbildung der Entwicklung der Emissionsreduktionen unter der Voraussetzung, dass weitgehende Maßnahmen im Effizienzbereich und im Bereich der Energieversorgung durchgeführt werden.

Die beiden Szenarien zeigen auf, in welchem Bereich (6% bis 29%) bis zum Jahr 2025 CO2-Emissionsminderungen über alle Sektoren erreicht werden können.


Fokusgebiete

20 Gebiete innerhalb des Stadtgebietes wurden einer näheren Betrachtung unterzogen. Sie wurden auf Basis von Informationen des Stadtplanungsamtes sowie weiterer Quellen ausgewählt.
Anhand der Ausarbeitungen zu den so genannten Fokusgebieten können Sanierungsmaßnahmen zielgruppenspezifisch entwickelt und strategisch geplant werden. In den Gebieten können zukünftige Sanierungsstandards, Versorgungsstrukturen und Energieträger vorgeschlagen werden.

Die Fokusgebiete wurden so ausgewählt, dass ein repräsentatives Bild der baulichen Struktur, der Eigentümer- und Versorgungsverhältnisse abgebildet wird.

Für die Fokusgebiete wurden folgende Informationen gesammelt und bewertet:

  • Gebäudeart und Baualtersklasse
  • Spezifischer Energieverbrauch [kWh/m²a] und absoluter Energieverbrauch im betrachteten Gebiet [MWh/a]
  • Aktuelle Versorgungsstruktur - Energieträger
  • Sanierungsstand des Gebietes (Anteil der bereits sanierten Gebäude)
  • Besitzstruktur (Anteil der Wohnungsbaugesellschaften)

Fernwärme/Wärmeatlas

Der Fernwärmeversorgung in der Region Böblingen wird bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen eine bedeutende Rolle zukommen, da im Fernwärmesystem hauptsächlich Abfallwärme und Wärme und aus Erneuerbaren Energien bereitgestellt werden kann.
Im Rahmen der Klimaschutzkonzeption wurde auch ein so genannter Wärmeatlas erstellt, der die vorhandenen Wärmedichten innerhalb der Gemarkungsgrenzen der Stadt Böblingen aufzeigt.
Daraus können wiederum Schlüsse für einen wirtschaftlichen Ausbau des Fernwärmenetzes gezogen werden. Besonders interessant erscheinen hier Nichtwohngebäude mit höheren Wärmebedarfswerten, bei denen eine wirtschaftlich attraktive Verdichtung oder ein Neuanschluss erreicht werden könnte.

Wärmedichte der Stadt Böblingen lt. Wärmeatlas GEF 2011

Städtische Einrichtungen

Die 64 größten Gebäude der Stadt Böblingen verursachen mehr als 90% des Energieverbrauchs aller 112 bewirtschafteten Gebäude. Der Endenergieverbrauch lag hierfür bei 29.000 MWh im Jahr 2008, somit 3% des gesamten Energieverbrauchs der Stadt Böblingen. Die CO2-Emissionen betrugen nach Berechnungen des ifeus 8.800 Tonnen. Der Anteil an Strom lag hierbei allein bei 36% der Kohlendioxidemissionen.
Die nachfolgende Grafik zeigt auf, welche Kennzahlen im Bereich der Endenergie und der CO2-Emissionen für die städtischen Liegenschaften bis zu den Jahren 2025 und 2050 zu erreichen sind.
Bis 2025 sollte die Kennzahl für die Endenergie bei unter 70 kWh/m²a, bei den CO2-Emissionen bei unter 40 kg/m²a liegen.
Diese Ziele lassen sich nicht allein durch eine Verbesserung der Hüllflächen und Gebäudetechnik der Gebäude erreichen, auch ein deutlicher Ausbau der Fern- und Nahwärme, sowie der Erneuerbaren Energien ist gefragt.


Maßnahmenkatalog

Die nachfolgend aufgeführten Maßnahmenvorschläge bilden die zukünftige Grundlage zum Ausbau und Fortführung der Klimaschutzaktivitäten der Stadt Böblingen. Sie wurden während des gesamten Durchführungsprozesses durch Interviews und als Quintessenz aus den durchgeführten Workshops durch das ifeu erarbeitet und entwickelt.
Zielgruppen für die Maßnahmen sind die Privaten Haushalte, die Gewerbetreibenden, die Industrie, die Stadtverwaltung und sonstige Institutionen.

45 Einzelmaßnahmen wurden gelistet, nach Aktivitätsbereichen sortiert und mit einer Bewertung der Priorität ergänzt.

Jeder einzelne Maßnahmenvorschlag wird zusätzlich durch ein beschreibendes Maßnahmenblatt ergänzt, das folgende Bewertungskriterien beinhaltet:

  • Beitrag zur CO2-Minderung
  • Maßnahmenschärfe
  • Priorität aus Sicht des Gutachters
  • Betriebswirtschaftlichkeit der Maßnahme aus Sicht des Investors (Energiebereich)
  • Effizienz der Maßnahmen bzgl. der spezifischen Anschubkosten aus Sicht der Stadt
  • Umsetzungszeitraum

Weitere Informationen

Download

Die komplette Klimaschutzkonzeption können Sie in hier (17,718 MiB) anschauen und herunterladen.


Klimaschutz in Böblingen

Weitere Informationen zum Klimaschutz in Böblingen erhalten Sie hier.