Eine alte Beschreibung Böblingens

Im vorliegenden Einblick in die Stadtgeschichte befasst sich Stadtarchivar Dr. Christoph Florian mit einem Sammelwerk aus dem 17. Jahrhundert, das eine historische Beschreibung Böblingens enthält.

Böblingen um die Mitte des 17. Jahrhunderts

Die Beschreibung Böblingens in der Oberamtsbeschreibung von 1850 ist weithin bekannt und gilt als eine wichtige Quelle für die stadtgeschichtliche Forschung. Doch hat die Oberamtsbeschreibung ihrerseits Vorgänger, die sich bis in das 17. Jahrhundert zurückführen lassen. Eine von diesen Beschreibungen fertigte ein Johannes Betz (1613-1671) an, der u. a. eine hohe Position in der herzoglichen württembergischen Verwaltung (Hofregistrator) innegehabt hatte sowie Kunstinspektor der herzoglichen Sammlung gewesen war. Bei dem Werk handelte es sich um eine ganz Württemberg umfassende Sammlung von Abschriften anderer Autoren, die er mit einem kurzen und knackigen Titel versah: „ Historische allgemeine Beschreibung deß Herzogtums Württemberg, aller Stätt, Clöster, Dörfer, Weyler, samt anderen Antiquitäten und Geschichten.“

Unter den im Werk beschriebenen „Stätt“ befindet sich auch Böblingen. Betz hat diesen Abschnitt von dem Bibliothekar und Hofregistrator Johann Jakob Gabelkover (1578-1635) abgeschrieben. Aus dieser frühen von Betz überlieferten Stadtbeschreibung sollen jetzt einige Passagen, die das 16. Jahrhundert betreffen, vorgestellt werden.

Ein schönes Schloss

Das Böblinger Schloss um 1820

Der Böblingen betreffende Abschnitt beginnt mit der Überschrift: „Von dem fürst[lichen] w[ürttembergischen] Stättlein Böblingen“. Wenig freundlich gibt es gleich Kritik. Denn es steht in dem in altertümlichen Buchstaben geschriebenen Text, dass das auf halben Wege zwischen Stuttgart und Herrenberg gelegene Städtlein „zimblich schlecht von Gebäwen“ ist. Die Stadt hatte also keine schönen Gebäude. Doch gibt es einen Trost, „Aber“ so heißt es nämlich im Text weiter, es ist „mit einem schönen Schloss versehen“.

Die Stadt war also nicht so schön, dafür ging es ihren Bewohnern ganz gut. Denn es gab ein „sehr großes Ackerfeld, „zimbliche Weingartten und nicht weniger an Wißwuchß“. Die Ernährungsgrundlagen waren demnach ganz gut. Nicht ganz korrekt ist die folgende Angabe: „Nächst am Stättlein, gegen Herrenberg zu“, hatte „eß ein zimblich großen See“. Es muss sich dabei um die Böblinger Seen (Unterer und Oberer See) gehandelt haben. Handelte es sich ursprünglich tatsächlich um einen See, waren es jetzt im 17. Jahrhundert schon längst zwei.

Der Verfasser des Textes machte sich auch Gedanken über die Herkunft des Namens Böblingen. Er weist auf eine alte Schrift hin, nach der ursprünglich auf dem Gebiet des späteren Böblingens sich „viel böses, schädliches G[e]sinde und räuberische Buben“ aufgehalten hätten. Deswegen wäre die später dort entstandene Siedlung „Bublingen“, also Ort der bösen Buben, genannt worden. Da der Autor selbst nicht sicher ist, ob diese Geschichte stimmt, überlässt er das Urteil über den Wahrheitsgehalt der Geschichte großzügig dem Leser.

Gute Luft in Böblingen

In der Folge finden sich zahlreiche Überlieferungen zur Stadtgeschichte. Der Leser erkennt rasch, dass diese aus alten Urkunden und Chroniken entnommen wurden. Es handelt sich dabei um ganz unterschiedliche Nachrichten. So wird die gute Luft gelobt und berichtet, wie Herzog Ludwig von Württemberg, der von 1568 bis 1593 regierte, deswegen die Stadt bezeichnet hat. Wegen der „guten, frischen u[nd] gesunden Luffts“ hat er sie nämlich „seine Apoteckh genannt“. Dank der guten Luft wurde Böblingen dann auch für kurze Zeit Sitz des wichtigsten Gerichts in Württemberg. Denn 1565 verlegte man wegen der grassierenden Pest das württembergische Hofgericht von Tübingen nach Sindelfingen, aufgrund „nicht guter Lufft zu Sündelfingen“ wurde es dann aber „gen Beblingen transferirt“. Zwei Jahrzehnte später, im Jahr 1587, begann man die „newe Amptsbehaußung“, also den Sitz des Vogts, zu „bawen“. Das Gebäude steht heute noch in Böblingen, jetzt hat dort die Böblinger Baugesellschaft (BBG) ihren Sitz.

Es finden sich in der Beschreibung aber auch weniger gute Nachrichten. So hat trotz der guten Luft 1572 „circa finem Anni“, also ungefähr gegen Ende des Jahres, die Pest in Böblingen gewütet und erst im darauffolgenden April nachgelassen. Und rund zehn Jahre zuvor hatte am 3. August 1562 der allgemeine Hagel, der das „Landt verderbt“, auch Böblingen betroffen und die ganzen Getreidefelder und Weingärten „zerschlagen“. Auch am 6. Mai 1571 abends gab es wieder ein Hagelunwetter, doch waren die Auswirkungen dort nicht so schlimm wie in Holzgerlingen und Schönaich, wo es bei den „Weingart“ schwere Schäden gab.

Dieses alte Sammelwerk hat lange im Archiv gelegen und ruht dort noch immer. Doch mittlerweile ist es digitalisiert. Und wer Lust hat kann sich auf der Webseite des baden-württembergischen Landesarchivs zur Signatur „Hauptstaatsarchiv Stuttgart J 1 Nr. 12“ durchklicken und den Text selbst entziffern (Link: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/bild_zoom/thumbnails.php?bestand=5449&id=7431175&syssuche=&logik=).

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Kontakt

Dr. Christoph Florian
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