Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Böblingen: Nora Marr folgt auf Angelika Baur

Nach mehr als 30 Jahren engagierter Tätigkeit für die Stadt Böblingen verabschiedet sich die Gleichstellungsbeauftragte Angelika Baur zum 1. September 2026 in den Ruhestand. Ihre Nachfolge übernimmt Nora Marr, die seit 1. Juni 2025 zu 50 Prozent als Behindertenbeauftragte der Stadt tätig ist und künftig zusätzlich die Aufgaben der Gleichstellungsbeauftragten mit einem Stellenumfang von 50 Prozent wahrnehmen wird.

Angelika Baur hat die Gleichstellungsarbeit in Böblingen über Jahrzehnte maßgeblich geprägt. Nach ihrem Studium an der Fachhochschule für Sozialwesen in Reutlingen und ihrer Tätigkeit in der Offenen Jugendarbeit beim Stuttgarter Jugendhaus e. V. wechselte sie am 1. August 1995 zur Stadt Böblingen. Zunächst war sie bis 2005 als Frauenbeauftragte direkt beim Oberbürgermeister angesiedelt (50-Prozent-Stelle). Von 2005 bis 2018 wirkte sie im gleichen Umfang als Familien- und Gleichstellungsbeauftragte mit Schwerpunkt auf der Gestaltung familienfreundlicher sowie integrativer kommunaler Rahmenbedingungen und begleitete die Umsetzung des Chancengleichheitsgesetzes. Seit 2019 war sie in Vollzeit als Gleichstellungsbeauftragte im Amt für Soziales tätig, wobei das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg 50 Prozent der Personalkosten förderte.

Gewaltprävention, Bildung, Beteiligung

Ein zentrales Anliegen der Arbeit von Angelika Baur war der Schutz von Mädchen und Frauen vor Gewalt sowie die frühzeitige Prävention von diskriminierendem und grenzverletzendem Verhalten. Dabei setzte sie bewusst auf die Arbeit mit Mädchen und Jungen gleichermaßen, um Respekt, Partnerschaftlichkeit und gegenseitige Wertschätzung zu fördern. Aus diesem Engagement heraus entstand im Jahr 2002 auf Antrag aus dem Gemeinderat das Präventionsprojekt „Dialog“, das bis heute an Böblinger Schulen durchgeführt wird. Mit den Formaten „Partnerschaftlichkeit macht Schule“ und „Stopp – Finger weg“ begleitet das Programm Kinder über mehrere Schuljahre hinweg und stärkt sie in ihrem Selbstschutz sowie in einem respektvollen Miteinander.
 
Darüber hinaus sind zahlreiche weitere Projekte eng mit ihrem Namen verbunden – insbesondere Initiativen zur Förderung von Mädchen und jungen Frauen in den MINT-Fächern, das Camp Einstein, das Musical „Herr der Ringe“ sowie viele weitere Bildungs- und Beteiligungsprojekte. Mit großem Erfolg warb Angelika Baur über die Jahre Fördermittel in sechsstelliger Höhe für die Stadt Böblingen und ihre Kooperationspartner ein. Ein besonderer Meilenstein war die erfolgreiche Aufnahme Böblingens in das Bundesprogramm „Vielfalt tut gut“, durch das die Stadt bereits 2009 offiziell den Titel „Ort der Vielfalt“ erhielt.
 
Oberbürgermeister Dr. Stefan Belz: „Angelika Baur hat die Gleichstellungsarbeit in Böblingen über drei Jahrzehnte hinweg mit viel Fachkompetenz, Beharrlichkeit und Kreativität geprägt. Ihr Engagement für den Schutz von Mädchen und Frauen, für Chancengerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe hat unsere Stadt nachhaltig verändert und etliche wichtige Projekte hervorgebracht. Für ihren großen Einsatz danke ich ihr im Namen der Stadt Böblingen sehr herzlich und wünsche ihr für den neuen Lebensabschnitt alles Gute!“ Mit Blick auf die von Angelika Baur initiierten MINT-Projekte sowie die mit Sponsoren finanzierte Internetplattform NEMO Netzwerk MINT-Region Böblingen (https://www.nemo-bb.de/) betont der Oberbürgermeister: „Unsere Gesellschaft braucht junge Menschen, die wissen, wo ihre Fähigkeiten und Leidenschaften liegen, um die Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu meistern.“

Nora Marr übernimmt

Zum 1. September 2026 übernimmt Nora Marr zusätzlich zu ihrer bisherigen Tätigkeit als Behindertenbeauftragte die Aufgaben der Gleichstellungsbeauftragten. Ihr besonderes Anliegen ist die Verbesserung der ökonomischen Situation von Frauen und die Stärkung ihrer finanziellen Unabhängigkeit. Dabei betrachtet sie gesellschaftliche Fragestellungen stets aus weiblicher wie auch männlicher Perspektive und hat die unterschiedlichen Lebenslagen aller Bevölkerungsgruppen im Blick.
 
Auch für Nora Marr bleibt das Thema Gewaltschutz und Gewaltprävention ein zentraler Schwerpunkt. Aktuelle Zahlen verdeutlichen die Relevanz dieses Handlungsfeldes: Im Jahr 2024 wurden bundesweit 187.128 Frauen als Opfer häuslicher Gewalt registriert. Expertinnen und Experten weisen seit Jahren darauf hin, dass Prävention bereits im Jugendalter ansetzen muss, um ungesunde Beziehungsmuster frühzeitig zu erkennen und zu verhindern.
In Böblingen wird hierzu unter anderem seit 2022 das von Angelika Baur initiierte Präventionsprogramm „Feuer und Flamme“ an Schulen angeboten. In den Workshops lernen Jugendliche, Warnzeichen problematischer Beziehungsdynamiken zu erkennen und ein gemeinsames Verständnis von Respekt und Gleichberechtigung zu entwickeln.
 
Nora Marr sieht in der Verbindung ihrer beiden Aufgabenfelder Potenzial: „Gleichstellung und Inklusion haben viele gemeinsame Berührungspunkte. Ich freue mich darauf, die erfolgreiche Arbeit von Angelika Baur fortzuführen und die vorhandenen Schnittstellen für neue Impulse und Synergieeffekte zu nutzen.“
 
OB Dr. Stefan Belz abschließend: „Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit Nora Marr nun auch in diesem Bereich und hier auf die Fortführung wichtiger gleichstellungs- und gesellschaftspolitischer Themen.“

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