Lichtblicke für das Waldwiesenvögelchen im Dagersheimer Wald
Liebe Dagersheimer*innen,liebeBöblinger*innen,
Wer in den vergangenen Jahren im Dagersheimer Wald unterwegs war, hat sich vielleicht gewundert: An einigen Stellen wurden Bäume entfernt, Flächen freigestellt und Bereiche gezielt offengehalten. Was zunächst wie ein Eingriff in die Natur erscheinen mag, dient tatsächlich dem Schutz einer der seltensten Schmetterlingsarten Baden-Württembergs – des Waldwiesenvögelchens. Das Waldwiesenvögelchen (Coenonympha hero) ist europaweit gefährdet und kommt in Baden-Württemberg nur noch an zwei Standorten vor: auf der Ostalb und im Schönbuch, u. a. im Dagersheimer Wald.
Der kleine Tagfalter besitzt bräunliche Flügel. Charakteristisch sind die orangebraun umrandeten, schwarzen Augenflecken mit weißen Zentren auf der Unterseite der Hinterflügel sowie ein markanter silberner Streifen. Auf der Flügel-Oberseite fehlen die weißen Zentren der Augenflecken. Als typische Lichtwald-Art ist das Waldwiesenvögelchen auf sonnige, strukturreiche Waldlebensräume angewiesen. Diese sind durch Waldbewirtschaftung und das Verschwinden lichter Waldstrukturen jedoch in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen.

Neue Lichtungen zum Erhalt der gefährdeten Art
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, haben unsere städtische Abteilung Umwelt und Grünflächen, die Untere Forstbehörde und der Landschaftserhaltungsverband Böblingen unter fachlicher Begleitung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg gemeinsam gehandelt: Sie haben in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Stuttgart gezielte sogenannte Auflichtungsmaßnahmen umgesetzt. Das heißt, es wurden im Dagersheimer Wald bestimmte Flächen freigeschnitten bzw. -geräumt.
Die auf diese Weise neu geschaffenen Lichtungen bieten nun wieder in der Sonne liegende Grasflächen innerhalb des Waldes. Zusätzlich sorgen neu angelegte Grabensperren dafür, dass Feuchtigkeit länger in den Flächen erhalten bleibt und Wasser langsamer abfließt. Dadurch entstehen vielfältige Lebensräume, die den Ansprüchen des Waldwiesenvögelchens entsprechen.
Neuer Lebensraum für Waldwiesenvögelchen
Lichtungen und feuchte Waldwiesen dienen den Weibchen als bevorzugte Ei-Ablageplätze. Nach etwa zwei Wochen schlüpfen die Raupen, die sich von verschiedenen Gräsern ernähren. Nach der Überwinterung verpuppen sie sich im Frühjahr für zwei bis drei Wochen. Ab Ende Mai schlüpfen die Falter. Die Entwicklung nach den Pflegemaßnahmen stimmt die beteiligten Expertinnen und Experten optimistisch. Die betreuenden Schmetterlingskundler*innen berichten: „Seit über zehn Jahren steigen die Bestandszahlen erstmals wieder leicht an. Nach einer langen Phase des Rückgangs ist das ein großartiger Erfolg.“
Weitere Vorteile und nächste Schritte
Von den neuen sonnigen Waldstrukturen profitieren auch zahlreiche andere gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Deshalb sollen die Flächen im Rahmen der Biotopverbundplanung auf Böblinger Gemarkung langfristig erhalten und weiterentwickelt werden. Die Maßnahmen leisten zugleich einen Beitrag zur Umsetzung der Waldnaturschutzkonzeption 2030 im Rahmen der Waldstrategie des Landes Baden-Württemberg.
Ziel ist es, die biologische Vielfalt in den Wäldern zu fördern, ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels zu stärken und die unterschiedlichen Ansprüche von Naturschutz, Erholung und nachhaltiger Waldbewirtschaftung miteinander in Einklang zu bringen.
Meinen herzlichen Dank an alle Beteiligten für dieses erfolgreiche Zusammenwirken – zum Wohle von Flora und Fauna und damit einer verbindenden Zukunft von Mensch und Natur!
Ihre
Christine Kraayvanger
Bürgermeisterin