"Böblinger Flugzeuge" im Berliner Technikmuseum

Wir, die AG Böblinger Flughafengeschichten, hat es sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte des Böblinger Flughafens von der Gründung als Militärflugplatz bis zur Erschließung des heutigen Flugfeldes zu erforschen. Kürzlich wurden in ebay zwei Fotos angeboten, die Flugzeuge vor dem Abtransport im Jahre 1935 nach Berlin in die dortige Luftfahrtsammlung zeigten. Das gab uns den Anlass, über den Verbleib dieser und auch anderer der in Böblingen gebauten, ausgestellten oder im Flugverkehr eingesetzten Flugzeuge im jetzigen Berliner Technik-Museum zu recherchieren. Wir fanden fünf Flugzeuge, die alle einen Bezug zu Böblingen haben.

Es ist wahrscheinlich den Wenigsten bekannt, daß von 1931 bis Mitte 1935 in Böblingen eine der größten deutschen Flugzeug- und Motorensammlungen Deutschlands im "Deutschen Luftfahrtmuseum" beheimatet war. Der Standort war hinter dem Flughafengebäude, da, wo sich heute auf dem Flugfeld hinter dem jetzigen Meilenwerk das Forum I befindet. Bei der Suche im Jahre 1929 nach einem geeigneten Standort war Böblingen in der glücklichen Lage, dem Deutschen Luftfahrtmuseum eine Halle aus dem 1.Weltkrieg für die Austellung zur Verfügung zu stellen. Die Sammlung wurde von der deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt in Berlin-Adlershof nach Böblingen überführt. Die Halle bot reichlich Platz, um die Museumsstücke übersichtlich und gut geordnet aufstellen zu können.

Das Museum wurde am 13.Juni 1931 eröffnet. Interessanteste Austellungsstücke waren z.B. die Maschinen aus der Pionierzeit der Fliegerei, wie Albatros, Jeannin-Taube, die ersten Fokker-Maschinen, die Junkers-Stahlkonstruktionen, der Dreidecker von Richthofen, Albatros C IX, sowie die Maschine Boelckes. Neben den Jagdflugzeugen waren die Rumpler-Bildflugzeuge, sowie die ausländischen Spads, Bleriots und Nieuports ausgestellt. Außerdem wurde eine große Anzahl von Modellen, Flugmotoren, Propellern, Tragflächen und photographischen Apparaten gezeigt. In den ersten fünf Wochen nach der Eröffnung hatte das Museum schon über 3.500 Besucher, Ende August 1934 wurde der 20.000. Besucher registriert.

Im Zuge der Zusammenlegung der einzelnen deutschen Luftfahrtmuseen und Austellungen wurde im April 1935 die komplette Böblinger Sammlung zur Berliner "Deutschen Luftfahrtsammlung" am Lehrter Bahnhof verlegt. An Hand der Jeannin-Stahltaube A.180/14, des einzigen noch existierenden Flugzeuges aus der "Deutschen-Luftfahrt-Austellung" in Böblingen und die heute noch im Deutschen Technik-Museum in Berlin zu bewundern ist, soll die "Odyssee" der Böblinger Sammlung beschrieben werden.

Die "Jeannin", die ab 1914 von dem bekannten Flieger Emil Jeannin in seinem Werk in Berlin-Johannisthal gefertigt wurde und beim Militär als Schul- und Aufklärungsflugzeug eingesetzt war. Das jetzt noch erhaltene Exemplar wurde wahrscheinlich nach dem 1.Weltkrieg in Berlin-Johannisthal eingelagert und ab Juli 1931 erstmals in Böblingen und anschließend in Berlin ausgestellt. Vorher wurde sie dort überholt und in einen ausstellungsfähigen Zustand gebracht. Wegen der zunehmenden Luftangriffe ab der Jahresmitte 1943 wurde der größte Teil der Berliner Sammlung nach Pommern verlagert.

Nach Kriegsende wurde die aufgefundene Sammlung von Polen als Kriegsbeute betrachtet und erstmals in Posen und Breslau zwischengelagert. Nach Gründung des polnischen Museums für Luft- und Raumfahrt kam sie dann 1963 nach Krakau. Im Mai 1982 wurde in Berlin das Museum für Verkehr und Technik gegründet. Im selben Jahr bekamen die Berliner Museumsarchäologen davon Kenntnis, dass sich Teile der vor 1944 in Berlin ausgestellten Luftfahrtsammlung in Krakau befanden. Es begannen langwierige Verhandlungen, die dann trotz mancher Wiederstände einen Weg zu einer künftigen Zusammenarbeit fanden. Am 17. Januar 1986 wurde ein Vertrag unterzeichnet, die in Berlin die für die polnische Seite vorgesehene Albatros und die Jeannin-Stahltaube historisch getreu wiederherzustellen. Von den 23 noch vorhandenen Flugzeugen der ehemaligen Berliner Sammlung wurden diese zwei Maschinen bis Jahresende 1986 restauriert und wurden schließlich am 22. Januar 1987 der Öffentlichkeit präsentiert. Die Albatros wurde später wieder nach Krakau zurückgeführt. Die Jeannin-Stahltaube ist übrigens das einzige noch erhaltene Jeannin-Flugzeug, das älteste und eines der Schmuckstücke der Berliner Sammlung.

Die nächsten in Berlin zu besichtigenden "Böblinger Flugzeuge" sind eine der drei Halberstadt C, konstruiert von den Halberstädtern Flugzeugwerke GmbH als Höhen-und Langstreckenaufklärer. Der ehemalige Jagdflieger Paul Strähle erwarb diese 1919 für den von ihm gegründeten Luftverkehr Strähle und baute sie zu Passagierzwecken um. Am 3. Januar 1921 startete Strähle zuerst von Stuttgart aus nach Konstanz. 1922 folgte eine zweite Linie nach Nürnberg, beide aber jetzt von Böblingen. Auf Grund wirtschaftlicher Schwierigkeiten wurde der Betrieb 1924 wieder eingestellt. Die ausgestellte Maschine diente in den 20er und 30er Jahren als Flugzeug für zahlreiche Luftaufnahmen, vor allem in Südwest-Deutschland. Im Depot des Museums befindet sich noch eine zweite "Strähle-Maschine".

Dann gleich drei Flugzeuge des berühmten Konstrukteurs Dr. Hanns Klemm, und zwar eine L25 aus der Anfangszeit, eines der bekanntesten Sport- und Schulflugzeuge. Eine KL35 D, ein später entwickeltes und ebenfalls sehr bekanntes Schulflugzeug. Beide wurden in den Jahren zwischen 1928 bis 1943 beim Klemm-Leichtflugzeugbau-GmbH in Böblingen gebaut. Dann weiter eine KL107, ein ab 1956 von der AG Hanns-Klemm Flugzeugbau GmbH und Bölkow-Entwicklungen KG in Nabern wieder gefertigtes Reiseflugzeug.

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