Vor 25 Jahren eröffnete die Landesgartenschau: Start einer Serie

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Schon ein viertel Jahrhundert ist es her, dass die Stadt Böblingen Ausrichterin für die Landesgartenschau war und dadurch ihr Stadtbild erheblich und nachhaltig veränderte. In einer kleinen Serie präsentieren wir von April bis Oktober – 1996 die Dauer der Landesgartenschau – monatlich einen Beitrag zu dem, was war und was nachhaltig in der Stadtentwicklung bis heute und in der Zukunft bleibt.

Teil 2: Der lange Weg zur Gartenschau 1996 - Von Oberbürgermeister a. D. Alexander Vogelgsang

Porträt Alexander Vogelgsang

Als im Oktober 1996 die Landesgartenschau Böblingen ihre Tore schloss, meinte ein erfahrener Mitarbeiter des Landwirtschaftsministeriums, es sei immer so: Vorher Diskussionen und haufenweise Bedenken, danach seien alle froh, dass man‘s gemacht habe.

Angefangen hatte alles mit heftigen Diskussionen in den Jahren 1986/1987 über die Erweiterung der Kongresshalle. Der „dritte Saal“ spaltete auch den Gemeinderat.
Um aus dieser Blockade herauszufinden, schlugen wir einen städtebaulichen Wettbewerb vor. Dieser sollte die Frage der Kongresshallen-Erweiterung in einen größeren Zusammenhang einordnen: „Vom Bahnhof zum Bauhof“. Der Bauhof lag damals noch an der Breitensteiner Straße.

Gartenschau-Zuschlag, dann städtebaulicher Wettbewerb 1989/1990

Eine der Ideen aus diesem Wettbewerb war die Bewerbung um eine Landesgartenschau im Grünzug mit den beiden Seen. Die Stadt Böblingen bewarb sich also beim Land. Wir erhielten den Zuschlag für das Jahr 1996. Im Dezember 1989 wurde im Gemeinderat ein Wettbewerb für die Realisierung ausgelobt. Bestandteile waren auch die Ergebnisse einer ersten Bürgerbeteiligung und eine Stellungnahme des Bundes für Naturschutz Deutschland (BUND). Der Realisierungswettbewerb mit den zwei Aufgaben „Daueranlage als Stadtgarten“ und „Durchführung 1996“ führte bei 24 teilnehmenden Büros im Mai 1990 zu einem eindeutigen ersten Preisträger: dem Architekturbüro Janson+Wolfrum in Arbeitsgemeinschaft mit den Landschaftsarchitektinnen Schmelzer+Bezzenberger.
Die Jury lobte die differenzierte und unkonventionelle Auseinandersetzung mit der Aufgabe. Sie sah die Daueranlage, den Stadtgarten, im Vordergrund. Der erste Preisträger wurde vom Gemeinderat mit der Entwurfsplanung beauftragt.

Sorgen, Nöte und weitere Entwicklungen von 1990 bis 1992

Oberbürgermeister a. D. Alexander Vogelgsang bei der Eröffnung der Landesgartenschau.
Oberbürgermeister a. D. Alexander Vogelgsang bei der Eröffnung der Landesgartenschau.

Der Herbst 1990 brachte schlechte Nachrichten und ein gereiztes kommunalpolitisches Klima. Auf der einen Seite entfaltete sich in Deutschland der Wiedervereinigungs-Boom.
Auf der anderen Seite erlebte der Raum Böblingen/Sindelfingen eine negative Sonderkonjunktur, vor allem bei der Computer-Industrie und im Automobilbau.
Die Gewerbesteuer sank und die Aussichten der künftigen Jahre schienen düster. Der wichtige Verkauf vom Areal Hulb-Nord an die Mercedes-Benz AG wurde zur Hängepartie, weil das Land Baden-Württemberg dort einen möglichen Standort für seine geplante Sondermüllverbrennung in der engeren Wahl sah (zusätzlich zur Fläche des heutigen Flugfelds). Obendrein produzierte der mehrmonatige Probelauf für den neuen Schlossbergring erstmal jede Menge Stau, Frust und Ärger.
Prompt kam ein erster Antrag aus dem Gemeinderat, aus finanziellen Gründen die Landesgartenschau nicht durchzuführen. Die Sorge war groß, dass sie in vollem Umfang durch zusätzliche Schulden finanziert werden müsste. Stattdessen sollte der Stadtgarten so oder so ähnlich schrittweise entsprechend der Haushaltslage verwirklicht werden.
Auch ich war mir nicht sicher, ob wir den finanziellen Kraftakt bis 1996 würden stemmen können. Andererseits gab es in der Vergangenheit schon manche Absichtserklärung für einen Stadtgarten und dann war die Haushaltslage immer gerade nicht günstig oder andere Wünsche schoben sich in den Vordergrund.
Die Gartenschau-Planer überlegten nun, wo am Entwurf noch Einsparungen möglich sein könnten: zum Beispiel ein kleineres Gelände, keine Vergößerung der Seen, keine Kongresshallen-Insel, kein dauerhaftes Verschwinden der Schönbuchstraße.
Außerdem hellte sich der finanzielle Himmel etwas auf. Im Mai 1991 stimmte der Gemeinderat mehrheitlich der kleineren Lösung („Schwäbische Gartenschau“) zu.

Fünf Monate später wurde der überarbeitete Entwurf des Stadtgartens beschlossen und eine weitere Bürgerbeteiligung angeregt.
Im Januar 1992 gründeten dann die Stadt und die „Förderungsgesellschaft für die Baden-Württembergischen Landesgartenschauen“ die „Landesgartenschau Böblingen 1996 GmbH“ zur praktischen Planung, Vorbereitung und Durchführung. Geschäftsführer wurden Dirk Gaerte, Erster Bürgermeister, und Baubürgermeister Paul Schaber (bis September 1995). Alle Fäden liefen zusammen bei unserem Gartenschau-Direktor Chasid Winograd. Es wäre so schön gewesen.
Aber erneut stand uns ein stürmischer Herbst bevor. Wieder brachen die Gewerbesteuereinnahmen ein, heftiger, so schien es, als zwei Jahre zuvor. Wieder gab es im Gemeinderat einen Antrag auf Rückgabe der Landesgartenschau: Schau nein, Stadtgarten teilweise ja, aber nach Kassenlage. Wichtige Freiräum-Elemente wie Abriss Kindergarten Siebeneck und Bootshaus am Oberen See wurden abgelehnt. Außerdem sprachen sich in einer Gartenschau-Umfrage der Kreiszeitung 80 Prozent der über 800 Teilnehmer/-innen für die Rückgabe aus.

Erneute Beschlüsse für die Gartenschau 1992 bis 1994

Doch die Planungen waren fortgeschritten, die ersten Bauarbeiten begonnen, sodass im Dezember 1992 eine ausreichende Mehrheit im Gemeinderat zum wiederholten Male die Gartenschau 1996 beschloss. Dieses Mal ohne Einzäunung und mit kleinerem Schauteil, entsprechend einem interfraktionellen Antrag.
Doch die Aufregungen hielten auch im folgenden Jahr an. So sollten nach Anträgen im Gemeinderat und aus der Bürgerschaft entgegen mehrfacher Beschlusslage Teile des Schlachthofs und vor allem der Metzgereinkauf (mit attraktiver Halle) bestehen bleiben.
So sehr die Wünsche nach Erhalt und kultureller oder sportlicher Nachnutzung nachvollziehbar waren, eine Gemeinderatsmehrheit bestätigte im April 1993 und im Februar 1994 unbeirrt den eingeschlagenen Weg für einen durchgehenden grünen Freiraum vom Oberen See bis zum alten Bauhof.

20 Baustellen-Touren: Skepsis weicht Neugier und Zufriedenheit

Mir war klar geworden, dass man über die Bürgerbeteiligung hinaus in der Einwohnerschaft viel intensiver für das Neue, den Stadtgarten, werben musste. Ein Kollege hatte mir den Tipp gegeben:
Baustellen-Touren! Also zog ich 20 Mal samstags von Juni 1993 bis November 1995 los, mit einem Megaphon und vor allem mit Chasid Winograd, und wir beschrieben das Baustellen- und Pflanzgeschehen.
Unsere Touren fanden einen guten und wachsenden Zuspruch: „Jetzt kannscht wenigstens mitschwätza“, zitierte die Kreiszeitung.

Die anfängliche Skepsis in der Einwohnerschaft wandelte sich. Sogar die 150 Meter lange Wandelhalle erschien inzwischen nicht mehr ganz so größenwahnsinnig.
Am kühlen, aber sonnigen 26. April 1996 eröffnete die Landesgartenschau nach ca. 120 Frosttagen, eingezäunt zu einem Drittel, aber zusätzlich mit dem „Gold der Inkas“ in der Sporthalle, mit qualitätsvollen gärtnerischen Leistungen, einem sehenswerten Veranstaltungsreigen (trotz des Debakels um Harry Owens) und einem sehr engagierten Süddeutschen Rundfunk.

Wir waren erleichtert. Ich hatte den Eindruck, viele Menschen waren neugierig, auch zufrieden und sogar ein bisschen stolz.

Teil 1: Der Stadtgarten als Zentrum der städtischen Naherholung

Aus vielen Teilen einen zusammenhängenden Stadtpark zu schaffen, war das Ergebnis der Landesgartenschau 1996. Er erfreut sich nach wie vor größter Beliebtheit in der Bevölkerung – die Weitsicht der damaligen Akteure wirkt bis heute und in die Zukunft.

Durchgängiger Grünzug mitten in der Stadt

Über aufgestaute Mühlteiche führten einst auf Dämmen die Straßen zu den Stadttoren und schufen die beiden Seen, die unser Stadtbild seither maßgeblich prägen. Die sumpfige Talaue des Murkenbaches war an vielen Stellen schon eingeengt und die beiden Seen nur noch über eine Dole verbunden.

Trotz einer in einigen Punkten strittigen Ausgangslage ergriff die Stadt dann 1989 mit dem städtebaulichen Wettbewerb „vom Bahnhof zum Bauhof“ die einmalige Chance, einen durchgängigen Grünzug von der Stadtmitte bis zum Stadtrand anzulegen.
Mit der Auflösung des Schlachthofes sowie der Verlegung des Bauhofes und des TÜV entstand mitten in der Stadt die Möglichkeit, einen zusammenhängenden Park zu formen und eine bedeutsame Naherholungszone zu schaffen.

Verbindendes Element des Stadtgartens ist der durchgängig wieder freigelegte Murkenbach. Die beiden Seen sind durch eine Wasserrampe mit 16 offenen Wasserstufen miteinander verbunden, dafür wurde die Tiefgarage der Kongresshalle verkleinert. Die Wasserspiele dort werden durch Solarzellen betrieben und der Sonnenschein regelt die Intensität der Fontänen.

Seelandschaft Oberer See

Wasser verbindet Landschaft und Urbanität

Der Obere See repräsentiert mit natürlicher Ufergestaltung die Vorstadt und Landschaft.
Der Untere See mit Seetreppe und Platanendach steht für die urbane, städtische Seite. Inzwischen entsteht an der Herrenberger Straße der stadträumliche Abschluss, am Elbenplatz kommen Altstadt und Unterstadt zusammen.
Die Mitte Böblingens hat sich an die Seen verlagert und ist so zum zentralen Ort der Begegnung geworden: mit Markt, Veranstaltungen und Festen. Entlang der Uferpromenade entwickelt sich die Außengastronomie und bringt Leben in die Stadt.

Bahnhofstraße wird Fußgängerzone, Elbenplatz wird umgebaut

Schon zur Eröffnung der Landesgartenschau sollte die Bahnhofstraße den Weg vom Bahnhof zum Gartenschaugelände als Fußgängerzone weisen. Dieses Vorhaben wurde zwar erst 2015 realisiert, dafür aber mit neuer Unterführung bis hin zur grünen Mitte auf dem Flugfeld verlängert. Nun verbindet die zentrale Fußgängerachse der Stadt die beiden Parkanlagen miteinander und bildet das Rückgrat für die städtebaulichen Entwicklungen in der Unterstadt.

Das letzte Verbindungsstück am Elbenplatz wird gerade angepasst und noch in diesem Jahr fertiggestellt. Damit erhält auch der Schloßbergring die notwendige Anbindung für den dort befindlichen Handel und die kulturellen Angebote. In Richtung Baumoval entstanden in attraktiver Lage am Rand des Stadtgartens außerdem neue Wohnquartiere.

Verbindendes Fest, das bis heute und in die Zukunft wirkt

Das Gartenschaujahr 1996 markierte ein verbindendes Fest für unsere Stadt. Die Veranstaltungsreihe „Sommer am See“ in der alten TÜV-Halle lenkt seither jedes Jahr die Besucher/-innen auch auf die andere Seite des Stadtgartens, wo sich neben der Wandelhalle auch der ehemalige Pavillon der Landesgartenschau befand. Auch der Rosengarten unserer Partnerstadt Glenrothes und weitere Gärten wurden neu angelegt.

Dort zeichnen sich ebenfalls Impulse einer künftigen Entwicklung ab – wenn es etwa um die Erweiterung des Landratsamtes geht und die Parkstraße dann perspektivisch von einer trennenden Verkehrstrasse zu einem verbindenden Band umgestaltet werden kann.

Kraftakt und große Leistung: Stadtgarten erfreut bis heute

Blumen Landesgartenschau

Die Entstehung des Stadtgartens in seiner heutigen Form war mit großen Anstrengungen verbunden – ein enormer Kraftakt aller Beteiligten, von denen einige noch heute dem Gemeinderat und der Verwaltung angehören. Rückblickend hat sich der Stadtgarten als eine große, in die Zukunft weisende Leistung erwiesen, deren Potenzial und Entwicklungschancen uns noch weitere Möglichkeiten bieten.

Die geschaffene Verbindung durch dieses Großprojekt, die damals mit einem Festjahr besiegelt wurde, hält bis heute an und erfreut nicht nur Böblingerinnen und Böblinger.
Freuen Sie sich also mit mir auf die sechs weiteren Artikel unserer Serie „25 Jahre Landesgartenschau in Böblingen“ hier im Amtsblatt, mit denen wir die Monate „Wunder – Garten – Phantasie“ 1996 Revue passieren lassen.

Ihre

Christine Kraayvanger
Bürgermeisterin

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Kontakt

Barbara Mischke
Umwelt und Grünflächen
71032 Böblingen
Telefon (0 70 31) 6 69 34 01
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