Gemeinsam Verantwortung übernehmen: Haushaltskonsolidierung mit Augenmaß
Liebe Böblinger*innen,
liebe Dagersheimer*innen,
die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich erheblich verändert. Auch wir in Böblingen spüren die Auswirkungen der anhaltend schwachen Konjunktur. Während die Einnahmen aus der Gewerbesteuer im Rekordjahr 2024 noch bei rund 160 Millionen Euro lagen, gingen sie 2025 auf etwa 130 Millionen Euro zurück. Für das Jahr 2026 erwarten wir aktuell sogar nur noch rund 80 Millionen Euro. Gleichzeitig steigen kommunale Pflichtaufgaben und Kosten. Deshalb handeln wir frühzeitig, eigenverantwortlich und geordnet. Wir wollen die finanzielle Handlungsfähigkeit unserer Stadt sichern und auch künftig in Bildung, Betreuung, Sicherheit, Infrastruktur und damit in die Zukunft Böblingens und Dagersheims investieren können.
Bereits im Juli 2025 hatte der Gemeinderat eine Haushaltsstrukturkommission (HSK) eingerichtet. Ihr Auftrag ist es, gemeinsam mit der Verwaltung eine nachhaltige Konsolidierung des städtischen Haushalts zu erarbeiten. Das Ziel: notwendige Veränderungen mit Bedacht umzusetzen und gleichzeitig die Leistungsfähigkeit unserer Stadt zu erhalten.
Sinkende Einnahmen, steigende Auf- und Ausgaben
Städte und Gemeinden stehen bundesweit vor großen Herausforderungen. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche zusätzliche Aufgaben auf die kommunale Ebene übertragen – etwa bei der Kinderbetreuung, der Ganztagsbetreuung an Grundschulen oder der Unterbringung von Geflüchteten. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die kommunale Infrastruktur. Viele öffentliche Gebäude stammen aus den 1970er- und 1980er-Jahren und müssen in den kommenden Jahren saniert oder ersetzt werden.
Auch die positive Bevölkerungsentwicklung in Böblingen und Dagersheim bringt zusätzliche Anforderungen mit sich. Verglichen mit 2016 ist die Einwohner*innen-Zahl um nahezu zehn Prozent gestiegen. Dies stärkt unsere Stadt, erfordert aber zugleich Investitionen in Infrastruktur, Betreuungsangebote und Verwaltungsleistungen.
Wir beginnen nicht bei Null
Schon vor der Einrichtung der HSK hatten wir reagiert und für die Haushaltsplanung 2025/2026 verwaltungsintern beim jährlichen Aufwand rund 10 Millionen Euro eingespart. Das bedeutet bereits einen erheblichen Konsolidierungsbeitrag.
Gleichzeitig sind unsere kurzfristigen Steuerungsmöglichkeiten begrenzt. Ein großer Teil des Haushalts ist durch gesetzliche Verpflichtungen, Umlagen, Verträge sowie langfristige Aufgabenbindungen festgelegt. Deshalb können wir notwendige Anpassungen nur schrittweise und strukturiert vornehmen.
Die HSK hat deshalb einen zusätzlichen Konsolidierungsbedarf von insgesamt 19 Millionen Euro bis Ende 2029 als erstes Ziel definiert. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der Gemeinderat am 21. Juli 2026 ein mehrstufiges Konsolidierungsprogramm beschlossen.
Drei Bausteine der Konsolidierung
Der erste Baustein umfasst kurzfristig bzw. schrittweise umsetzbare Maßnahmen mit einem finanziellen Verbesserungsvolumen von rund 7,1 Millionen Euro.
Der zweite Baustein besteht aus weiteren Maßnahmen mit einem Potenzial von etwa 5 Millionen Euro. Deren Auswirkungen und Umsetzbarkeit sollen zunächst vertieft geprüft werden. Hier geht es insbesondere um die tatsächlichen finanziellen Wirkungen, die fachlichen und sozialen Folgen, rechtliche Voraussetzungen, mögliche Folgekosten und denkbare Alternativen. Damit ist ausdrücklich noch keine Entscheidung über eine spätere Umsetzung verbunden.
Der dritte Baustein umfasst drei strategische Prüfaufträge, die Strukturen und Prozesse innerhalb der Verwaltung betreffen: Optimierung der Gebäudestruktur und Flächennutzung, Weiterentwicklung von Organisation und Digitalisierung sowie Erarbeitung eines langfristigen Pfads zur personellen Konsolidierung. Diese Themen bieten die Chance, mittel- und langfristig strukturelle Einsparungen zu erzielen und gleichzeitig unsere Verwaltung zukunftsfähig aufzustellen. Damit verbinden wir Konsolidierung und Modernisierung. Ziel sind nicht allein kurzfristige Einsparungen, sondern dauerhaft tragfähige und zukunftsfähige Strukturen.
Augenmaß ohne Rasenmäher
Wichtig ist uns ein Vorgehen mit Augenmaß: bewährte Strukturen nicht vorschnell aufgeben, vielmehr einen schrittweisen und verantwortungsvollen Weg gehen, der finanzielle Stabilität und kommunale Leistungsfähigkeit verbindet.
Das Paket umfasst Beiträge der Verwaltung, der politischen Gremien, der Nutzer*innen städtischer Leistungen, der Gebühren- und Steuerzahlenden, der freiwilligen Angebote, Veranstaltungen und Zuschüsse. Klar ist: Alle müssen einen Beitrag leisten. Aber wir kürzen nicht blind, pauschal oder radikal mit dem Rasenmäher, sondern mit Blick auf Wirksamkeit, fachliche Vertretbarkeit und Folgen.
Die Beratungen werden in den kommenden Monaten fortgesetzt. In einer Einwohnerversammlung am 11. November 2026 werden wir Sie dabei ausführlich über das Paket informieren. Gemeinsam übernehmen wir Verantwortung dafür, dass Böblingen und Dagersheim finanziell handlungsfähig, leistungsfähig und lebenswert bleiben.
Hier gelangen Sie zur Drucksache 26/133 mit den einzelnen Maßnahmen und Prüfaufträgen:
Dr. Stefan Belz Tobias Heizmann Christine Kraayvanger
Oberbürgermeister Erster Bürgermeister Bürgermeisterin