Böblinger und Amerikaner - eine Freundschaft wächst!

Freundschaftswoche im Jahr 1966

Die amerikanische Garnison in der Panzerkaserne ist ein besonderes Kennzeichen Böblingens. Es handelt sich um das 1. Batallion der „10th Special Forces Group (Airborne)“, die zu dem als „Green Berets“ bekannten Sondereinsatzkommando gehören. Die amerikanischen Soldaten und ihre Angehörigen sind schon lange zu einem prägenden Bestandteil Böblingens geworden.
Die Entwicklung zu einem US-amerikanischen Standort wurde – unbeabsichtigt – lange vor dem Zweiten Weltkrieg angebahnt, nämlich 1915 mit der Entscheidung, während des Ersten Weltkriegs einen Militärflughafen auf dem heutigen Flugfeld einzurichten. Zwar wurde er 1919 wieder rückgebaut, doch bildete er den Ansatzpunkt für den 1925 eingerichteten Landesflughafen und schließlich für den Militärflughafen (1937/38). Dazu kam die 1938 bezogene Panzerkaserne.

Böblingen wird der amerkanischen Besatzungszone zugeordnet

Im Zuge der Abgrenzung der Besatzungszonen wurde das französische besetzte Böblingen mit dem Landkreis Böblingen der amerikanischen Zone zugeordnet, weil durch ihn die Autobahn Stuttgart-Ulm verlief. Am 7. Juli 1945 fand dieser Wechsel statt. Der Landkreis Böblingen wurde einer amerikanischen Militärregierung (Military Government) unterstellt, deren Weisungen die Stadtverwaltung mit Bürgermeister Hengstberger an der Spitze zu befolgen hatte. Leiter der im früheren Finanzamt in der Sindelfinger Straße untergebrachten Militärregierung war Captain William Becker. Die amerikanischen Streitkräfte, die sich auf eine längere Besatzungszeit einrichteten und geeignete Standorte brauchten, übernahmen die vorhandenen Anlagen. Wobei die 1991/92 aufgegebene amerikanische Basis am Flughafen als Reparaturwerk der US-Streitkräfte diente.

Die ersten Jahre des Zusammenlebens waren schwer

Böblingen stand wie ganz Deutschland nach der Niederlage des nationalsozialistischen Terrorherrschaft unter einem Besatzungsregime der verbündeten Amerikaner, Briten, Franzosen und Russen. Die Alliierten pochten auf die Wiedergutmachung der Schäden, die Deutschland angerichtet hatte. Ebenfalls waren sie entschlossen, eine militärische Gefahr sowie vorhandene nationalsozialistische Einflüsse in Deutschland zu unterbinden, was letztlich die Demokratisierung des besetzten Landes erforderte. Zwischen Stadtverwaltung und Besatzung gab es vor allem in zwei Bereiche immer wieder Differenzen. Zum einen musste die Stadt die Besatzungskosten tragen. So wurden, als größere Teile Böblingens noch in Trümmer lagen, Wohnungen für die Unterbringung amerikanischer Soldaten beschlagnahmt. Dies verstärkte die ohnehin große Wohnungsnot massiv.

Zu verbreiteter Kritik in der deutschen Bevölkerung führte die Art und Weiser der in der amerikanischen Zone flächendeckend und konsequent durchgeführte Entnazifizierungspolitik. Alle erwachsenen Deutschen mussten sich für ihr Verhalten während der NS-Zeit verantworten. Zugleich aber wurden in der amerikanischen Zone konsequent demokratische Strukturen aufgebaut. Eine der wichtigsten Maßnahmen war das berühmte „Gesetz Nr. 30 über die Anwendung der Deutschen Gemeindeordnung“ vom 20. Dezember 1945. Die Regelungen der Gemeindeordnung, welche nicht gegen demokratische Grundsätze verstießen, blieben weiter gültig und wurden zum Grundstein eines demokratischen Kommunalwesens in Südwestdeutschland und damit auch für den Aufstieg Böblingens in der Nachkriegszeit.

1954 - Ende der Militärregierung

Mit dem Ausbruch des Kalten Krieg zwischen Ost und West seit etwa 1948 verstärkten sich die Tendenzen, welche das Verhältnis zwischen Besatzern und Deutschen auch in Böblingen entspannten. Mit der Aufhebung des Besatzungsstatuts am 5. Mai 1954 kam das Ende der Militärregierung, Westdeutschland bekam eingeschränkte Souveränität. Zudem bekam ab den 1950er Jahren die Böblinger Stadtverwaltung durch Baumaßnahmen das schwierige Wohnungsproblem in Griff. Für amerikanische Soldaten und deren Angehörige wurden Wohnungen erstellt. Die Durchführung der Entnazifizierung, die ab 1946 in deutscher

Verantwortung lag, verlor durch das schwindende Interesse der amerikanischen Militäradministration in Deutschland seit dem Ausbruch des Kalten Krieges an Intensität. Immer stärker warben die amerikanischen Streitkräfte um die Sympathie der Deutschen. Eine wichtige Rolle kam dabei den Freundschaftswochen zu. Zuerst als deutsch-amerikanische und später, mit Beteiligung der Franzosen als internationale Freundschaftswochen wurden sie zum Rahmen für die Präsentation der amerikanischen, französischen und deutschen Streitkräfte. Die Verbündeten veranstalteten Feste und Tage der offenen Tür in den Kasernen.

Zahlreiche auch private Kontakte stärkten die Beziehungen zwischen Böblingern und Amerikanern

Grußwort von John H. Glenn

Die US-Army wurde nicht nur nur zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor, sondern verlieh der Stadt auch ein besonderes internationales Flair. Zu einem der prominentesten Gastautoren des Böblinger Boten wurde der Astronaut John H. Glenn, der als erster Amerikaner die Erde mit einem Raumschiff umrundete.

Er schrieb anlässlich der Freundschaftswoche 1966 in einem Grußwort in der Kreiszeitung: „Die Bürger der Garnisonstadt Böblingen werden sich dessen bewußt sein, daß die gute Gemeinschaft der drei Nationen in ihren Mauern ein wertvolles Steinchen im großen Mosaik der verbündeten und befreundeten Völker ist.“ Seine Worte betrafen dabei insbesondere auch das amerikanisch-deutsche Miteinander. Aus Feinden waren trotz mancher - auch zukünftiger - Reibungen und Konflikte endlich Partner und Freunde geworden.

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