Gefahr für die Böblinger Seen

Der Obere und der Untere See prägen Böblingen und sind aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. Doch vor rund 80 Jahren wären sie beinahe beseitigt worden. Es ist nicht auszudenken, welchen großen Verlust die Stadt dadurch erlitten hätte.

Schon in früheren Zeiten wurden die beiden Seen als Bereicherung für das Stadtbild betrachtet. So heißt es dann auch in der Oberamtsbeschreibung von 1850: „Von besonderer Wichtigkeit sind die südlich an die Stadt grenzenden künstlich angelegten Weiher, der obere und der untere See, [...] die der Gegend, hauptsächlich aber der ohnehin freundlichen Ansicht der Stadt von der Südseite, einen besonderen Reiz verleihen.“

Schlechte Luft am Oberen See

Der Planungsentwurf von 1929

Allerdings gab es auch eine andere Sichtweise. Ein Gutachten der „Beratungsstelle für Ortsbaupläne“ aus dem Jahr 1921 gibt darüber Aufschluss. Danach hatte der Obere See geringen Wasserzufluss, was sich ungünstig auf seinen Stoffhaushalt auswirkte und dessen Selbstreinigung verhinderte. Auch bereiteten organische Ablagerungen große Probleme. Diese zersetzten sich und entwickelten „gelbgrüne Gasblasen“, die dem östlichen Teil des Oberen Sees ein „schmutziggrünes Aussehen“ gaben. Dabei waren die an „die Seeoberflächen aufsteigenden übel riechenden Schlammfladen besonders lästig“. Nur dank der guten Frischluftzufuhr wurde Böblingen im Sommer vor unerträglichen „Geruchsbelästigungen“ bewahrt. Der Untere See wiederum erhielt sein Wasser vom Oberen See und war daher von den ökologischen Gegebenheiten des Letzteren abhängig.

Das Gutachten führte weitere Probleme auf. Die Gewässer wurden nämlich erstmals auch als Hindernis für die städtische Entwicklung wahrgenommen. Die Seen behinderten demnach „das organische Wachstum der neuen Stadtteile“. Gemeint war damit die neuere Bebauung um Bahnhofsstraße, Ehningerstraße, Klaffensteinstraße und Schafgasse, deren Ausdehnung so Grenzen gesetzt waren. Besonders nachteilig wurde der Umstand aufgenommen, dass eine Verbindung zwischen Altstadtkern und der südwestlichen Arbeiter- und Industriestadt nur über das Bahnhofgebiet möglich war.

Aus den genannten Gründen wurden die Böblinger Seen Gegenstand intensiver städtischer Planungen. In den Überlegungen wurde nicht nur die Verkleinerung der Seen erörtert, sondern sogar die vollständige Beseitigung jeweils eines der Seen in Erwägung gezogen. Neben der oben geschilderten Umwelt- sowie Verkehrsproblematik wurde dabei noch ein weiterer Aspekt erkennbar, der bei den Überlegungen eine Rolle spielte. Es war das wachsende Bedürfnis nach öffentlichen Sportstätten, wie sich in den späteren Planungen zeigen wird.

Planungsentwurf von 1934, erste Variante

Zunächst geriet der Untere See ins Visier der Planer

1930 hatte die Stadt die Erlaubnis bekommen, zwei Drittel des Unteren Sees auszufüllen. Auf dem abgebildeten Planungsentwurf von 1929 zeigt sich, was mit der gewonnen Fläche geschehen sollte. Man wollte dort eine Grünanlage sowie eine Straßenverbindung zwischen Elbenplatz und heutiger Parkstraße anlegen. Durch die Verkleinerung der Wasserfläche wollte man das Problem des geringen Wasserzuflusses mildern, denn eine kleinere Wasserfläche benötigte weniger Frischwasser.

Um 1934 änderte aber die Stadtverwaltung ihre Meinung und wollte den gesamten Unteren See zuschütten und stattdessen einen Festplatz anlegen. Betrachtet man jedoch den Entwurf, dann wird erkennbar, dass es hier vor allen Dingen um die Anlage eines Sportplatzes im Zentrum der neugewonnen Fläche ging. Von einer Straßenverbindung hingegen war keine Rede mehr.

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