„In der Klarheit liegt die Kraft“ Zum 100. Geburtstag von Hans Dieter Bohnet

Liebe Leser*innen,

zwanzig Jahre nach dem Tod des Bildhauers Hans Dieter Bohnet (1926– 2006) ist unsere städtische Galerie die erste Kulturinstitution in Baden-Württemberg, die seinem plastischen Werk eine umfassende Einzelausstellung widmet. Im Mittelpunkt steht ein Künstler, der vor allem mit Arbeiten im öffentlichen Raum der Nachkriegsmoderne Maßstäbe gesetzt hat. Zur Eröffnungs-Matinee am Sonntag, 22. Februar 2026, um 11.00 Uhr im Museum Zehntscheuer (Pfarrgasse 2) lade ich Sie herzlich ein!

Die große Überblicksausstellung zeigt Hans Dieter Bohnets Bildhauerei in ihrer ganzen Bandbreite und eindrücklichen Entwicklung über rund sechs Jahrzehnte hinweg. Gerade seine späteren, dem Konkreten verpflichteten und kraftvollen Arbeiten besitzen hohen Wiedererkennungswert. Kugel, Kubus und Oktaeder werden insbesondere im Verlauf der 1990er-Jahre bis um 2000 zu Leitmotiven seines charakteristischen Repertoires an Formen.

Bohnet hatte vor seiner bildkünstlerischen Laufbahn auch Architektur studiert und stets über Gattungen hinweg mit Gartengestalterinnen und Stadtplanerinnen zusammengearbeitet. In monumentalen Ausführungen hat er seit der Nachkriegszeit zahlreiche öffentliche Räume, Straßenzüge, Plätze und Gebäude geprägt.

Böblingen ist eng mit Bohnets Werk verbunden

1993 wurde seinem Schaffen im Zuge der Stuttgarter Internationalen Gartenschau (IGA ’93) im Museum Zehntscheuer eine Retrospektive noch zu Lebzeiten gewidmet. 1996 folgte dann die Böblinger Landesgartenschau – ein Mammutprojekt und Meilenstein unserer Stadtentwicklung, das im damaligen Kontext der autogerechten Stadt bewusst neue Wege beschritt: Asphaltierte Flächen wurden aufgebrochen, Grün- und Aufenthaltsräume neu gedacht und umgewidmet. Seit 30 Jahren wirkt unsere vielfach ausgezeichnete Stadtgarten-Anlage entlang der Seenlandschaft und des Murkenbachs mit Brücken, Bauwerken sowie Installationen und Werken verschiedener Künstler von Elbenplatz und Seetreppen bis zum Baumoval als grüner und attraktiver Zug positiv auf das Stadtbild.

Auch wenn Hans Dieter Bohnet hier nicht direkt beteiligt war, knüpften die Verantwortlichen an den Geist jener Jahre an: Natur und Kunst, architektonische Elemente und Landschaftsgestaltung galten nicht als getrennte Bereiche, sondern als zusammengehöriges Ganzes. Diese Perspektive greift die Ausstellung in Kooperation mit dem Amt für Stadtentwicklung und Städtebau mit einem eigenen Kapitel auf. Sie versteht sich daher zugleich als Einladung, den Blick auf die eigene Stadtgestalt zu schärfen und Kunst als Teil unserer visuellen Erinnerung neu wahrzunehmen. Denn Kunst im öffentlichen Raum ist weit mehr als Dekoration – sie ist gelebte Demokratie – sie prägt Wahrnehmung, schafft Identität, regt Gespräche an. Und entfaltet dadurch besondere Wirkung. Wir in Böblingen haben dies jüngst erneut gezeigt mit den „Gesichtern des Bauernkriegs“ am Oberen See von Peter Lenk anlässlich des Gedenkjahres 2025.

Weitere Schwerpunkte

Besondere Akzente setzt die Ausstellung außerdem mit einer Auswahl von Skulpturen des heute beinahe vergessenen Bildhauers Otto Baum (1900–1977). Er war Hans Dieter Bohnets Professor an der Stuttgarter Kunstakademie und prägte ihn zeitlebens als künstlerische Bezugsperson. Ebenso zu sehen ist eine erlesene Auswahl an Gemälden seiner Tochter, der Malerin Nicole Bohnet (*1971). Zur Abrundung gibt es einen neuen, autobiografisch angelegten Kurzfilm von Lilian Hess sowie ein Werkverzeichnis, das sich in Arbeit befindet und erstmals einen systematischen Zugang zu Leben und Werk Hans Dieter Bohnets eröffnet. Entdecken wir also seine konkrete Klarheit und seine konsequente Formkraft in unserer Städtischen Galerie neu!

Ihr

Dr. Stefan Belz

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