Stadtwald Böblingen: Wo Fuchs und Has sich einen ruhigen Tag wünschen

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

demnächst beginnt die Schonzeit für die meisten bejagbaren Wildtiere. Auch im Böblinger Stadtwald schweigt dann des Jägers Flinte. Für die Zeit der Niederkunft bei Reh, Wildschwein, Hase, Dachs und Fuchs droht zumindest von dieser Seite keine Gefahr.

Doch gerade dort, wo der Eichenbestand durch Naturverjüngung erneuert werden soll, kommt den Jägern eine wichtige Aufgabe zu. Es gilt zu verhindern, dass die Eicheln von Wildschweinen und die jungen Eichenkeimlinge vom Rehwild gefressen werden. Auch durch Zäune könnten die Rehe daran gehindert werden, den Aufwuchs zu schädigen. Vor allem aber lassen sich durch gezielte Bejagung bestimmte Gebiete den Tieren verleiden, da diese sich merken, wo Gefahr droht. So kommt unseren Jagdpächtern eine wichtige Rolle bei der Regulation des Wildbestands im Stadtwald zu, die sie mit Augenmaß und fachlicher Kompetenz wahrnehmen.

Etliche Wildtiere sind Kulturfolger

Auch bei Konflikten mit Wildtieren in der Stadt, z.B. Füchsen in Hausgärten, sind die zuständigen Jäger und Jägerinnen Ansprechpartner und Ratgeber. Unsere Wegwerfgesellschaft sorgt dafür, dass Fuchs und Waschbär innerhalb der Wohnbebauung bessere Lebensbedingungen vorfinden als in der freien Wildbahn. So werden wir uns damit zurechtfinden müssen, dass diese Kulturfolger verstärkt im Wohnumfeld auftauchen.

Bedrohungen für das Wild

Zudem sind in einem stadtnahen Wald wie in Böblingen zahlreiche andere Faktoren vorherrschend, die das Aufwachsen von Wildtieren stärker bedrohen als die Jagd.

Die große Baustelle der Schönbuchbahn ist zum Beispiel eine erhebliche Beeinträchtigung für das Leben im Wald. Absperrungen blockieren gewohnte Wildwechsel, der Baulärm und die schweren Maschinen vertreiben durch die starken Vibrationen viele Tiere aus ihren gewohnten Unterständen. Nach Fertigstellung bleibt die Gefahr durch die leiseren Züge, wenn die Bahn elektrisch in Betrieb geht. Wildunfälle, vor allem mit Reh und Wildschwein, werden an der Bahntrasse sehr häufig und unvermeidbar sein.

Wildernde Hunde

Ein anderes Problem sind freilaufende Hunde. Es herrscht in Böblingen kein Leinenzwang, da durchaus gewollt ist, dass sich Hunde auch frei bewegen können. Leider kommt es gar nicht selten vor, dass Rehkitze von Hunden gewildert werden. Dieses Problem lässt sich aber nur durch verantwortungsvolle Hundehalter lösen, die ihre Lieblinge vor allem jetzt in der Schonzeit besser an die Leine nehmen, wenn der Hund nicht aufs Wort gehorcht.

Lebensräume respektieren

Aber auch alle anderen Waldnutzer und Erholungssuchenden sind angesprochen, wenn es darum geht, die Lebensräume unserer  Wildtiere zu respektieren. Vor allem der Einsatz von lichtstarken Stirn- und Fahrradlampen bei Joggern und Mountain-Bikern führt immer mehr dazu, dass die Tiere auch nachts nicht mehr zur Ruhe kommen.

Holzeinschlag im Winter

Der jährliche Holzeinschlag im Winterhalbjahr stellt natürlich auch einen Konflikt zwischen jagdlichen Belangen, Erholungsnutzung und Wirtschaftlichkeit dar. Die Holzernte verändert die Lebensbereiche der Tiere durchaus nachhaltig, allerdings werden diese Bereiche nach der Ernte für mehrere Jahre in Ruhe belassen.

Gegenseitiger Respekt

Der Wald ist ein sensibler Lebensbereich, vor allem wenn er so stark genutzt wird wie hier in Böblingen. Doch wenn sich die unterschiedlichen Nutzergruppen mit gegenseitigem Respekt begegnen, können sich alle, auch Fuchs und Has, dort wohlfühlen.


Ihre
Christine Kraayvanger
Bürgermeisterin

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