Böblingen engagiert sich im Artenschutz: Maßnahmen gegen das Insektensterben

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

in der Politik weltweit sind die Themen Artenrückgang und Insektensterben in aller Munde. In Böblingen wird bereits „im Kleinen“ viel bewegt.

Das öffentliche Grün soll pflegeleicht, ansprechend und wirtschaftlich sein. Dabei soll es zusätzlich ökologisch wertvoll sein – ein Spagat zwischen vielen verschiedenen Ansprüchen.

Vielfältiges Grün im Stadtgebiet

Neben den unterschiedlichsten Anforderungen an das Grün, muss das ganze Jahr über Nahrung für Insekten zur Verfügung stehen. Dafür achten wir in Böblingen vor allem im zeitigen Frühjahr, wenn bereits viele Hummeln unterwegs sind, mit unzähligen Blumenzwiebeln wie Krokussen und Narzissen auf eine abwechslungsreiche Blütenvielfalt. Im Anschluss blühen dann bereits die ersten Stauden, die in unterschiedlichen Arten, bewusst kombiniert, bis zum nächsten Winter blühen.

Insektenfreundliche Grünflächen

Nach dem ersten Mähen (Mahd) der Wiesen, stehen die Blüten der Sommerblumen in ganzer Pracht und auch die Baumarten werden an geeigneten Standorten nach der Blüte ausgewählt.
Wo die Sicht für Autofahrer nicht behindert wird, bieten entlang einiger Stadteingänge langjährige „Highlightbeete“ Blüten als Nahrungsquelle für Insekten. Diese werden per Direktsaat pflegeleicht angelegt und entwickeln sich daher je nach Witterung nicht jedes Jahr gleich. Damit der Nektar für heimische Insekten verfügbar ist, müssen die Blüten den heimischen Pflanzen nahe sein, d.h. die Blüten, vor allem Rosenblüten, sollten nicht gefüllt sein, damit die Insekten den Nektar auch erreichen können. Darauf werden wir in Zukunft noch mehr bei Nachpflanzungen und Neuanlagen achten.

Bewahrung heimischer Pflanzen an Gewässern

Entlang der Gewässer blüht es ebenfalls je nach Jahreszeit kräftig, wobei die heimischen Pflanzen bis auf wenige nicht sehr auffallend sind und andere Insekten anlocken. Durch Initialpflanzungen unterstützen wir immer wieder die heimische Pflanzenzusammensetzung und beseitigen vor allem die sogenannten „Neophyten“. Bei Neophyten handelt es sich um nicht heimische, invasive Arten, die heimische Pflanzen schnell für immer verdrängen, wie z.B. Riesen-Bärenklau oder Japanknöterich. Die Stadt hat bereits vor Jahren mit der Beseitigung dieser Neophyten begonnen und es zeigt sich in der Natur, dass sich der teilweise sehr hohe Aufwand lohnt. In Böblingen können wir somit das natürliche, ökologische Gleichgewicht halten.

Pestizidfreie Pflege

Auf öffentlichen Grünflächen keine Pestizide einzusetzen, ist seit über zehn Jahren in Böblingen selbstverständlich und ebenfalls unerlässlich für den Insektenschutz. Unser Wunsch ist, dass auch auf privaten Flächen und in Kleingartenanlagen flächendeckend so verfahren wird.
So sollte z.B. auf altbekannte biologische pflanzliche „Hausmittel“ zurückgegriffen werden, damit wir gemeinsam mehr Wirkung erzielen. Die Stadt Böblingen unterstützt auch Imker und dadurch die Honigbienen, indem befristet Standorte für Bienenkörbe auf öffentlichen Flächen zur Verfügung gestellt werden. Diese Standorte sind jedoch begrenzt, damit Rücksicht auf die Förderung von Wildbienen genommen wird und keine Konkurrenz an den Standorten entsteht.

Streuobstwiesen sind ein Insektenparadies

Vor allem während der Obstblüte sind Streuobstwiesen ein Paradies für Insekten. Die städtischen Wiesen kommen auch hier ohne Pflanzenschutzmittel, lediglich mit Baumschnitt zum Baumerhalt und Wiesenmahd, aus. Die Mahd der Wiesen soll nicht komplett nacheinander erfolgen, sondern in Abschnitten, wo die Flächen groß genug sind.
In den letzten Jahren wurden viele städtische Rasenflächen zu Wiesenflächen umgewandelt, u.a. am Baumoval, auf der Diezenhalde und im Stadtgarten. Selbstverständlich achten wir dabei darauf, dass im Innenstadtbereich ausreichend nutzbare Grünflächen zur Naherholung für die Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung stehen.
In Verbindung mit vielen anderen Kommunen können wir bundesweit gesehen - auch flächendeckend - Großes bewirken, damit wir Böblingen weiterhin insektenfreundlich gestalten und unsere Artenvielfalt erhalten.

Dafür setzen wir uns gemeinsam mit Ihnen ein.

Ihre Christine Kraayvanger
Bürgermeisterin

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