75. Jahrestag der Bombardierung Böblingens im zweiten Weltkrieg

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

dieses Jahr jährt sich zum 75. Mal die Bombardierung Böblingens durch alliierte Luftstreitkräfte. Unsere Stadt hat in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober 1943 großen menschlichen und materiellen Schaden erlitten. Weite Teile der Altstadt und mit ihr die Stadtkirche sowie das Schloss lagen danach in Trümmern. Mit voller Wucht bekamen die Bewohnerinnen und Bewohner die zerstörerische Macht jenes Krieges zu spüren, den die Nationalsozialisten im Jahr 1939 entfacht hatten.

Mindestens 44 Todesopfer – in manchen Dokumenten ist von bis zu 60 die Rede –  und an die 250 Verwundete forderte der von britisch-kanadischen-australischen Verbänden geflogene Angriff, der eigentlich der Landeshauptstadt Stuttgart gegolten hatte. Schwierige Wetterverhältnisse mit einer weitgehend geschlossenen Wolkendecke führten jedoch dazu, dass die im Süden Englands gestarteten rund 310 Bomber ihre tödliche Last früher als geplant abwarfen und somit unsere Stadt trafen. Die Schneise der Zerstörung zog sich insgesamt von Altdorf bis in den Südwesten Stuttgarts. Rund 50 Minuten dauerte das heftige Bombardement, welches Böblingens Gesicht dauerhaft verändern sollte. 15.000 Stabbrand-, 2.200 Phosphor- sowie 300 Sprengbomben gingen auf Böblingens Gemarkung nieder und hinterließen neben Toten und Verletzten über 280 zerstörte und schwer getroffene Gebäude. Darunter das Schloss, die Stadtkirche und auch das Rathaus.

Böblingen nach der Bombadierung

Die Welt wehrte sich

Bei allem Schmerz, die eigenen Opfer und das eigene Leid relativieren in keiner Weise die Schuld, die unser Land unter einem verbrecherischen Regime auf sich geladen hat. Die Nationalsozialisten mit Adolf Hitler an der Spitze arbeiteten ab der im Jahr 1933 vollzogenen Machtergreifung mit großer Energie am Aufbau der deutschen Streitkräfte. Angriffskriege zur Gewinnung von „Lebensraum“ waren, neben der Vernichtung ganzer Volksgruppen und von Leben, das für „unwert“ erklärt wurde, das erklärte Ziel ihrer Politik.
Die Welt wehrte sich gegen das aggressive Nazideutschland. Spätestens ab 1941 bekam dies massiv die deutsche Zivilbevölkerung zu spüren. Vor allem der Luftkrieg forderte viele Menschenleben und führte in zahlreichen Städten zu gravierenden Zerstörungen. In manchen Fällen waren diese komplett zerbombt.

Symbol des Wiederaufbaus: Böblinger Stadtkirche

Unsere Stadtkirche auf dem Schloßberg wurde nach Ende des Krieges instandgesetzt, sie wurde zum Symbol des Wiederaufbaus und der Hoffnung auf eine friedliche Zukunft. Das Schloss hingegen schien unrettbar verloren. So wurden dessen Trümmerreste abgetragen, ebenso das Rathaus, das früher längs auf dem vormals deutlich schmaleren Marktplatz stand. Ein neues Rathaus – heute Altes Rathaus genannt – wurde an der Querseite des Marktplatzes errichtet und 1952 eingeweiht. Der Platz, auf welchem das Schloss stand, ist jedoch noch heute eine Leerstelle, die auf ihre Weise an die Schrecknisse dieser Nacht erinnert.

Im Gedenken an die Opfer - als Mahnung für die Zukunft

Die Stadt Böblingen und die Evangelische Kirchengemeinde gedenken am Sonntag, 7. Oktober 2018, des für unsere Stadt so einschneidenden Ereignisses der Bombardierung von 1943. Die Gedenkveranstaltung der Stadt Böblingen findet ab 20.00 Uhr auf dem Marktplatz statt. Weitere Informationen finden Sie hier.

Herzliche Einladung!

Für die Zukunft unserer Stadt ist das Datum der Bombennacht vor 75 Jahren bittere Lehrstunde und zugleich klare Aufforderung.
Eine Aufforderung, uns täglich aufs Neue für Frieden und Demokratie einzusetzen: heute und morgen.
Mit Ihrer Teilnahme an der Gedenkstunde setzen Sie genau dafür ein ganz persönliches Zeichen.

Ihr
Dr. Stefan Belz
Oberbürgermeister
 

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