US-Reparaturwerk 1945-1975

Über die Geschichte des ehemaligen US-Reparaturwerkes auf dem Gelände des ehemaligen Böblinger Flughafens war bisher relativ wenig bekannt. Der Zufall wollte es, dass wir Zeitzeugen fanden, welche dort gearbeitet haben und uns deshalb wertvolle Informationen geben konnten. Im folgenden Beitrag berichten wir über das US-Reparaturwerk von 1945 bis 1975.

Die Arbeitsgruppe mit Zeitzeugen auf dem Flugfeld

Der Raum Böblingen/Sindelfingen und damit auch der ehemalige Böblinger Flughafen war nach dem 2.Weltkrieg von den französischen Besatzungstruppen besetzt. Nach deren Abzug im Juni 1945 richtete die US-Armee im Juli 1945 auf dem Gelände ein Sammellager für Armeegeräte ein. Mehr als 4.000 Kampffahrzeuge, Geschütze, Transportfahrzeuge, Anhänger und kleine Waffen wurden hier abgestellt. Es war Aufgabe der im Fabrikgebäude der Klemm-Leichtflugzeugbau untergebrachten 1.200 (800 nach anderen Berichten) deutschen Kriegsgefangenen, dieses Armeegerät zu konservieren. Um dieses weiter zu verwenden, verabschiedete die 7.US-Army noch 1945 ein Wiederaufbauprogramm. Ein großer Teil wurde in Europa verkauft, man behielt aber soviel, um den geschätzten Bedarf der US-Truppen sicherzustellen. Der Transport zurück in die USA zum Wiederaufbau und wieder zurück nach Europa zur Verwendung durch die US-Truppen wäre sehr kostspielig gewesen. Böblingen wurde einer der von der US-Army betriebenen Wiederaufarbeitungs-Standorte.

Als Mitte Februar 1946 die Entlassung der deutschen Kriegsgefangenen aus amerikanischem Gewahrsam erfolgte, war infolge der Ausweisung aller Deutschen aus der Tschechoslowakei oder infolge der Besetzung der Ostgebiete durch die Sowjets nur für wenige eine Rückkehr in die alte Heimat möglich. Die meisten ehemaligen Kriegsgefangenen wechselten deshalb als ziviles Stammpersonal zur Sammelstelle der US-Armee über. Für viele war das eine Rückkehr in den Beruf, ein neuer Anfang und die Notwendigkeit, sich wieder in eine zielgerichtete Arbeit einzufügen. Zum Teil wurden auch Einheimische zusätzlich eingestellt.

Der 11.Februar 1946 ist als Gründungszeitpunkt des Reparaturwerkes unter der Geschäftsführung der US-Army anzusehen. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Personalverwaltung einschließlich der Lohn- und Gehaltsabrechnung aus den Händen des Besatzungskostenamtes in Böblingen übernommen.

Aus der Sammelstelle entwickelte sich im Jahre 1947 eine Überholungswerkstätte, die im Ordnance-Wesen (bei der US-Army zuständig für das technische Equipment) als wichtiger Teil auf dem Indstandsetzungsgebiet hervortat. Die erste Aufgabe bestand in der Generalüberholung von Transportanhängern unterschiedlicher Art und Größe. Andere Fahrzeugtypen, sowohl Räder- als auch Kettenfahrzeuge, kamen im Jahre 1954 hinzu und erforderten eine Erhöhung der Belegschaft und gleichzeitig mit ihr eine Vermehrung der Fachkräfte in den verschiedensten Berufssparten.

Die ständig steigenden technischen Aufgaben, die vor allem durch die Generalüberholung von Räder- und Kettenfahrzeugen diesem Werk auferlegt wurden, erforderten nach Ansicht der zuständigen Kommandeure ein industrielles Management. Die Firma Daimler-Benz AG, Stuttgart-Untertürkheim, übernahm deshalb am 1.Juni 1948 als erste Vertragsfirma die Leitung dieses Instandsetzungswerkes bis zum Februar 1950. Schon in dieser Zeit vollzogen sich mit der technischen Durchdringung der Arbeitsmethoden einschneidende Änderungen, die in Übereinstimmung mit den schnell wechselnden Erfordernissen der Armee zu einer rationellen Steuerung dieses Werkes zwingend erforderlich wurden. Im Januar 1957 erhielt das Werk die Bezeichnung US-Army Ordnance Depot.

Vom 1.März 1950 bis zum 31.März 1956 wurde das Werk von der Firma Kessler & Co in Wasseralfingen betrieben, die das Personal im Rahmen eines Personal-Dienstvertrages zur Verfügung stellte. Seit dem 1.April 1956 wurde Daimler-Benz AG mit der Gesamtführung beauftragt, die amerikanische Armee fungierte nur noch als Auftraggeber und Abnehmer. Um die finanzielle Kontrolle zu haben, waren alle Führungspositionen jeweils mit amerikanischen Armee- und Zivilmitarbeitern und deutschen Zivil-Mitarbeitern besetzt. Die Kosten des Betriebes in Höhe von rd. 1Mio DM trugen nun die Amerikaner, davor wurden sie von dem Amt für Verteidigungslasten übernommen. Durch diese Maßnahme erhielt das Unternehmen den Charakter eines reinen Exportbetriebes und war damit eines der größten Devisenbringer des Kreises Böblingen. Die Mitarbeiterzahl betrug von 1946 bis 1975 zwischen 600 und 1500 Beschäftigte, 1969 waren 35% Fremdarbeiter.

Der Flugplatz wurde zu einem Fahrzeug- und Ersatzteil-Depot ausgebaut und in den ehemaligen Hangars wurden jetzt Produktionslinien für Allzweck-Reparatur und allgemeine Überarbeitung für LKW, Anhänger, Jeeps, Limousinen, Kampffahrzeuge, Ersatzteile, Werkzeuge und Zubehör eingerichtet. Die Arbeiten umfaßten Säuberung und Demontage; Reparatur von Chassis, Karosserie und Aufbau; Überholung von Motor und Antriebsstrang; Zusammenbau von Motorfahrzeugen und Anhängern; Sandstrahlen und Lackierung; Reparaturen an Federung und Kühlsystem, sowie den Ersatz von Holzteilen an Bordwänden und Sitzbänken. Weitere Aufgaben waren außerdem Teile für die Wartung von Transportmitteln zu liefern: Umgang mit zurückgeschicktem Material, Wartung der Fahrzeuge bei der Lagerung, Herstellung von Teilen, Veränderungen an Fahrzeugen nach Bedarf und Entgegennahme, Aufbewahrung und Ausgabe von unbrauchbaren oder Überbestände.

Die gesamte Grundfläche betrug 113 ha, davon waren 4,5 ha bebaut. Es befanden sich 26 feste und 114 bewegliche Gebäude auf dem Gelände. Die für die Umfriedung des Werksgeländes benötigte Zaunlänge betrug ca. 5.000 Meter. 40.518 qm Betriebsräumlichkeiten standen zur Verfügung und 104.740 qm Strassen und Plätze waren befestigt.

Der Wert der Versorgungsgüter, Ersatzteile, Aggregate und der gelagerten Kraftfahrzeuge wurde Anfang 1971 mit $113.891.993,- angegeben.

Statistik zur Kostenentwicklung

Ein Finanzbericht der US-Army von 1974 empfahl 1975 dem amerikanischen Kongreß, daß es wirtschaftlicher ist, das meiste Equipment wirtschaftlicher in den USA reparieren zu lassen. Als Gründe wurden die hohen Aufarbeitungskosten wegen der ungünstigen Dollar/DM-Entwicklung, die hohe Inflation und die zu geringe Auslastung genannt. Allein von 1973 bis 1974 stiegen die Stundenlöhne z.B. in Böblingen von $11,93 auf $19.75 (+ 65%). Die $/DM Ratio entwickelte sich von 1969-1973 von 1$/4,00 DM auf 1$/2,80 DM (-30%). Der Vorschlag zu drastischen Einsparmaßnahmen führte u.a. zu der Entscheidung die Böblinger Aufarbeitung zu schließen.

Das Reparaturwerk wird aufgegeben

Sämtlichen Lohnempfängern wurde eine Übernahme in die Werke Sindelfingen und Untertürkheim der Daimler-Benz AG angeboten, den meisten Angestellten wurde gekündigt, sie erhielten Abfindungen.

Und so endete die Ära des US-Reparaturwerkes Böblingen im Oktober 1975.

Bilder vom Reparaturwerk

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